Ueber 3 ½ Jahre unterwegs, ein Blick zurueck
Ende Jahr, am 31ten Dezember 2007 sind es genau 3 Jahre, 7 Monate und 15 Tage her, seit wir in Zuerich/Hoengg unsere schwer beladenen Fahrraeder bestiegen um die schoene Schweiz Richtung Osten zu verlassen.
Eine Reise mit Hoehen und Tiefen, mit vielen tollen aber auch unerfreulichen Ereignissen.
Zu den positiven Erlebnissen gehoeren sicher die vielen interessanten Begegnungen, die wir immer wieder mit Einheimischen erleben duerfen. Sie erlauben einem einen tieferen Einblick in die jeweilige Kultur. Wir sind immer tief beeindruckt, mit wie "Wenig" die meisten Menschen zufrieden sind!
Zu den raren negativen Erlebnissen zaehlt sicher unsere Erfahrung mit Malaria in Indien. Wir hatten allerdings grosses Glueck, das sich ein gutes Spital mit kompetenten Aerzten in der Naehe befand. Eher ungluecklich war dann der Umstand das Robi auf dem Segeltrip von Indien nach Malaysia einen Rueckfall erlitt, der dank den mitgefuehrten Notfallmedikamenten aber rasch behandelt werden konnte.
Wir verbrachten in allen bereisten Laender mindestens einen Monat, meistens blieben wir aber bedeutend laenger um einen besseren Einblick in Land und Leute zu erhalten.
Fahrraeder eingemottet
In Indien goennten wir uns sogar eine laengere Fahrradabstinenz und bereisten mit deutlich weniger Gepaeck fuer ueber 4 Monate intensiv Zentral- und Sued Indien. Nach Weihnachten 2005, die wir in Indien, Varanasi verbrachten, konnten wir unsere Fahrraeder und einiges an Gepaeck im Hotel einstellen.
Vor allem das Reisen mit der Bahn hat uns gefallen, denn auf so einer Fahrt im Schlafwagen zweiter Klasse ist einem in Asien eine kurzweilige Zeit garantiert.
Lange Strecken, vor allem in unbequemen Bussen, ermueden einen schnell. So legten wir im Sueden Indiens immer wieder ein paar Tage Pause am Strand ein und entspannten uns im herrlich waremen Meer. Im Bundesstaat Kerala konnte zudem Moni ihre Ayurvedakenntnisse vertiefen, die sie sich kurz vor ihrer Abreise in der Schweiz, waehrend einer intensiven Ausbildung erworben hatte.
Ende April 2006 hatten wir mit dem Zug, Boot, Bus, aber auch kleineren Fortbewegungsmitteln, wie z.B Motorrad- oder Fahradrikscha bereits ueber 10000 Kilometer zurueckgelegt. Mit dem Fahrrad brauchen wir dafuer mindestens ein Jahr!
Der Koenig dankt ab
Nach unserer laengerer Rundreise die uns durch halb Indien fuehrte, zuckte es uns wieder maechtig in den Waden. Und so entschlossen wir uns auch noch den indischen Himalaya naeher mit dem Fahrrad zu erkunden.
Eigentlich wollten wir in Nepal nur ein neues Visa fuer Indien beantragen, aber der kurze Abstecher sollte laenger dauern...
Ein Generalstreik legte im Fruehjahr 2006 das ganze Land fuer ueber 2 Wochen komplett lahm. Alle Laeden waren geschlossen und kein Fahrzeug war auf den Strassen zu sehen. Nur unmotorisierte Fortbewegungsmittel und Krankenwagen waren zugelassen. Ein Traum fuer jeden Fahrradfahrer, aber ein Horror fuer die einheimische Bevoelkerung!
Mitte Mai 2006 nach mehreren grossen Demonstrationen, bei denen nicht wenige Zivilisten ihr Leben lassen mussten war der Spuk endlich vorbei. Der beim Volk nicht mehr sehr beliebte Koenig, dankte endlich ab und die politischen Parteien bildeten zusammen mit den Maoisten eine neue Regierung. Der Weg zur Demokratie ist aber noch sehr lang und steinig....
Mutter Ganges
Bei unserem dritten Besuch in Indien ging es dann richtig in die Berge. Vorher goennten wir uns aber in Rishikesh noch ein Bad im kalten Strom Ganges, dem meist verehrten Fluss der Hindus. Dieser Ort erfreut sich auch bei vielen Westlern auesserster Beliebtheit und nicht nur die Beatles haben hier auf der Suche nach Erleuchtung, ihren Guru "gefunden". Wer es ein bisschen bodenstaendiger will, der kann einfach dem bunten Treiben zuschauen. Man trifft hier neben Alt Hippies, Saddhus und jungen Rucksackreisenden auch viele indische Pilger. Aber auch die naehere Umgebung geizt nicht mit ihren Reizen und kann bestens mit dem Fahrrad erkundet werden.
Ueber den Wolken
Es war bereits Fruehsommer in Indien und im Flachland entsprechend heiss und unertraeglich. Also hoechste Zeit der Ebene den Ruecken zuzukehren und hoehere Gefilde anzusteuern. Unser Weg fuehrte uns mehrheitlich entlang verkehrsarmen Strassen und tiefe Schluchten bis nach Manali. Dieser Ort, der uns stark an das Berner Oberland erinnerte, ist sowohl bei indischen wie auch auslaendischen Touristen sehr beliebt. Wir widmeten uns aber intensiv den Fahrraedern, den Moni's Hinterradfelge war "Glueck im Unglueck!" erst kurz vor Manali gerissen. Die schlechten Strassen hatten ihren Tribut gefordert und die Felge musste ersetzt werden. Kein leichtes Unterfangen in Indien, dem groessten Fahrradproduzenten der Welt! Aber auch hier lachte das Glueck und dank der Hilfe von Arkan, einem Tuerken, der in Deutschland aufgewachsen ist und nun in Indien lebt, konnten doch tatsaechlich 2 der hier auesserst raren 26 Zoll Aluminium Felgen aufgetrieben werden. So stand einer Weiterreise nichts mehr im Wege.
Nach zwei weiteren anstrengenden Wochen in eindrucksvoller Landschaft, erreichten wir Anfangs August 2006 endlich Leh, die einstige Haupstadt des ehemaligen Koenigreichs Ladakhs. Hier erklommen wir den auf unserer Reise bisher hoechst gelegenen Pass. Nach indischen Angaben soll der Pass Kardung La 5600 Meter ueber Meer liegen, unser Hoehenmeter zeigte aber "nur" knapp 5400 Meter an. Die Luft war auf alle Faelle schon ziemlich duenn dort oben und das auch fuer Nichtraucher!
Auf hoher See
Dem Hoehenflug folgte ein laengerer Segeltrip der uns im Herbst 2006 von Goa (Indien) ueber die Malediven und Sri Lanka bis nach Malaysia brachte. Mangelnder Wind verzoegerte den Trip merklich, so dass wir erst Anfangs November, nach mehreren Wochen auf offenem Meer, endlich wieder festen Boden unter den Fuessen hatten. Was uns aber immer unvergesslich in Erinnerung bleiben wird, waren die traumhaft schoenen Sonnenuntergaenge in der unendlichen Weite des Meeres, die nicht selten von einer Schule verspielter Delphine begleitet wurden.
Erholung in Suedostasien
In der malaysischen Stadt Penang widmeten wir uns zu Beginn ausschliesslich unserer Genesung, bevor wir unsere Reise Richtung Thailand fortsetzten. Wir genossen unsere Zeit in Thailand und neben radeln standen immer wieder kuerzere Abstecher auf eine der vielen Inseln auf dem Programm. Das Rad war immer mit dabei und auch dort meist das ideale Fortbewegungsmittel um die verlockenden Paradiese ein wenig naeher zu erkunden.
In Thailand fuehrt kein Weg am Essen vorbei und es gehoerte neben dem Sonnenbaden und Schnorcheln sicher zu unseren liebsten Hobbys ;-))
Auf unserem Weg Richtung Norden durchquerten wir Kambodscha und Laos, zwei der aermsten Staaten in Suedostasien, wobei vor allem Kambodscha auf eine blutige Vergangenheit zurickblicken kann, die noch nicht allzulange zurueckliegt. Die froehliche und herzliche Art der Kambodschaner kompensierte die eher eintoenige und sehr trockene Landschaft.
In Laos hingegen, hat der Tourismus an bestimmten Orten bereits deutlich seine negativen Spuren hinterlassen und das wirkt sich oft auf die Freundlichkeit der Einheimischen, aber auch die Preise aus. Trotzdem kann man abseits des augetrampelten Touristenpfades noch immer das urspruengliche Laos kennenlernen. In den kleinen Doerfern im Sueden von Laos geht es noch sehr gemaehlich zu und her, woran die ganzjaehrig hohen Temperaturen sicher nicht ganz unschuldig sind. Erst im Norden von Laos wird es huegeliger, was uns zwar neben vielen schweisstreibenden Aufstiegen, endlich wieder ein wenig kuehlere Naechte bescherte.
Wieder in China, wieder in die Berge!
Am 21ten Mai 2007 und bereits zum 2ten mal auf unserer Reise kontrollierten chinesische Grenzbeamte unsere Paesse. Mit "Welcome in China" wurden wir willkommen geheissen und der erste gute Eindruck, sollte laenger anhalten. Der Sueden Yunnans hat uns sehr gut gefallen und abseits der Touristenzentren sind die Leute groesstenteils sehr freundlich und aufgeschlossen. Obwohl es seit Vientiane, der proviziellen Haupstadt der demokratisch laotischen Volkrepublik, fast taeglich 1000 Hoehenmeter zu ueberwinden gab, bereuen wir unseren "Um"weg durch die Berge keineswegs, denn die einzigartige Landschaft ist ausserhalb der Staedte noch ziemlich duenn besiedelt. Das garantiert neben frischer Luft auch meistens klare Fluesse und bringt somit beste Voraussetzungen mit, die Naechte gemuetlich im Zelt zu verbringen.
Ein weiterer Hoehepunkt unserer Reise war sicher der Besuch von Robi's Eltern und Theo. Wir durften zusammen mit ihnen ein paar Tage in Xian verbringen. So bekamen auch wir noch die beruehmten Tonsoldaten zu Gesicht.
Es waren intensive Tage und es gab wahrlich einiges zu erzaehlen! Waehrend die Reisegruppe den Yangtzefluss hinunterschipperte, bestiegen wir den Zug der uns nach Chengdu zureuckbrachte. Hier konnten wir, allerdings erst auf Umwegen, ein neues Visa fuer China beschaffen. Danch ging es, natuerlich viel spaeter als eigentlich geplant, wieder zurueck in hoehere Regionen. Es war bereits Herbst und taeglich wurde es kaelter. Durch vorwiegend von tibetischen Nomaden besiedeltes Gebiet fuehrte unsere strapazioese Reise einmal mehr ueber sehr hohe Paesse und so erreichten wir erst Ende November und schon ziemlich durchgefroren die groessere Stadt Xining. In der Provinzhaupstadt von Qinghai wurde in den letzten Jahren kraeftig gebaut und es wird weiter investiert. Nach westlichem Vorbild wird auch hier der Konsum gnadenlos angekurbelt und das nicht nur zur Weihnachtszeit!
Nicht nur die tiefen Temperaturen erinnern uns an zuhause. Wir lernten schon am ersten Tag in Xining eine herzliche und sehr hilfsbereite Schweizer Familie kennen, die hier als Aerzte im Rot Kreuz Spital praktizieren. Jonathan, Claudia und ihre drei aufgeweckten Kinder Kian, Tiara und Timon, haben uns schon ein paar mal bei sich zuhause eingeladen und vermitteln uns jeweils ein wenig heimatliche Geborgenheit.:
Ein grosses Dankeschoen!
Nie vergessen werden wir die herzlichen Einladungen von Einheimischen die uns, wenn wir hungrig waren und froren, in ihr meist einfaches, aber immer warmes und gemuetliches Heim einluden und verkoestigten.
Dank gilt auch allen anderen gleichgesinnten Menschen, die wir immer wieder "zufaellig" kennenlernen. Sie haben uns aeusserst hilfsbereit mit Material, aber noch wichtiger, vor allem moralisch immer wieder unterstuetzt.
Eines ist sicher, ohne die uneigennuetzige Hilfe seitens dieser Menschen waeren wir sicher nie soweit gekommen. Nochmals ein herzliches Dankeschoen!