Von Wien bis Bulgarien

Seit dem letzten Bericht ist schon viel Wasser die Donau heruntegflossen und bereits haben wir die bulgarische Grenze ueberschritten. Nach den Flach -und Sprintetappen der Donau entlang, stellten sich uns auch in Ungarn keine grossen Brocken in den Weg. Das aenderte sich erst in Rumaenien, wo einfach kein Weg an den Karpaten vorbei fuehrte und es immer wieder ein Paesschen zu erklimmen gab.
Die Qualitaet der Strassen wurde wie erwartet schlechter, beschraenkte sich aber vor allem auf die Nebenstrassen und die Wege durch die Doerfer. Die Hauptstrassen in Ungarn, wie auch in Rumaenien waren von ueberraschend guter Qualitaet, dafuer hatte man vor allem werktags mit erheblichem Lastwagenverkehr zu rechnen.

Puenktlich zum Sommeranfang lachte wieder die Sonne und es blies auch kein fieser Gegenwind der uns das Leben schwer machen wollte! Kurzum, beste Bedingungen, die Reise fortzusetzen um neue Laender und Kulturen kennenzulernen. Immer noch konnten wir dem bestens beschilderten Donau-Radweg folgen. Bis Hainburg, ein gut erhaltenes Mittelalterstaedtchen, faehrt man durch einen Nationalpark. Der Park ist eine Kombination zwischen Donaustrom, Schotterufer, Inselchen und Tuempeln, der eine grosse Artenvielfalt beherbergt.
Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei kuendigt sich bereits von weitem, durch grosse und unpersoenliche Wohnsilos an. Ein ziemlicher Kontrast zur lieblichen Donaulandschaft. Die Grenze wurde ohne Probleme passiert und in Bratislava, gab es beim Anblick unserer vollbepackten Raeder viele staunende Gesicher. Obwohl die Altstadt sehr schoen sein muss, wollten wir noch ein bisschen weiterradeln, um dann irgendwo wild an der Donau unser Zelt aufzuschlagen. Auf dem Radweg tummelten sich zu dieser Tageszeit unzaehlige, vor allem junge Leute, sei es auf dem Rad oder auf Inline-Skates. Immer wieder passierten wir kleine, mit Musik beschallte Buden, wo kuehle Getraenke und kleine Snacks verkauft wurden. Wir fanden, abgesehen vom achtlos weggeworfenen Abfall, tatsaechlich noch ein idyllisches Plaetzchen, direkt am Wasser. Entgegen frueherer Plaene blieben wir vorerst auf der slowakischen, also noerdlichen Uferseite der Donau. Bei der grossen Schleuse von Tejke trafen wir tschechische Radler, die unbedingt ihre Internetadressen mit uns austauschen wollten. Zum Schluss gab es noch ein gemeinsames Foto und schon waren sie weg. In Sap haben wir zwar keine neuen Patchreleases gefunden, dafuer wurde zum ersten Mal in nicht deutschsprachigem Raum eingekauft (fuer SAP-Verhaeltnisse unverschaemt guenstig!). Nicht immer einfach, aber meistens amuesant. So konnten z.B die Eier, erst nach langem Gestikulieren und dank der Verwandschaft mit den Kinderueberraschungen erworben werden. Unpraktischerweise im Plastiksaeckli, was den Transport der bruechigen Ware auch nicht gerade erleichterte. Der nicht besonders gemuetliche Schlafplatz, neben einer Kiesgrube, war zwar direkt ander Donau gelegen, hatte aber zur Konsequenz, das wir den ganzen Abend von den sehr anhaenglichen Muecken belaestigt wurden.

Fuer den naechsten Tag war nur eine kleine Etappe geplant, die uns schlussendlich auf die ungarische Donauseite nach Komaron fuehren sollte. Eine nekische Abkuerzung wurde zum kleinen Dschungeltrip. Der Abstecher ins Naturschutzgebiet war zwar sehr romantisch, aber die Muecken umso erbarmungsloser :-(
Der Waldweg wurde zuerst zum Fussweg, danach zum Trampelpfad und zum Schluss wurde das Rad nur noch durch denSand geschoben. Es blieb uns nichts anderes uebrig, als umzukehren. Und siehe da, auf dem offiziellen Radweg rollte es sich schon bedeutend besser ;-)
In Komarno, noch auf slowakischer Seite gab es dafuer eine tolle Belohnung, in Form von mit Schafkaese ueberbackenen Nockerln. Das ganze wurde abgerundet mit einer deftigen Krautsuppe und runtergspuehlt mit geschmackvollem slowakischem Bier. Zudem wurden wir von Igor, der bereits einmal die Schweiz besucht hat und sehr gut Deutsch sprach, bestens unterhalten. Was wuscht mehr ;-))
Frisch gestaerkt passierten wir die ungarische Grenze und bauten unser Haeusle auf einem 3Stern Camping, direkt neben dem Thermalbad auf. Das sehr warme Thermalwasser brachte zwar nicht die grosse Abkuehlung, liess aber die Strapazen vom morgen schnell vergessen. Am naechsten Tag lernten wir noch zwei junge Franzosen kennen, die den ganzen Weg von Frankreich bis Rumaenien mit dem Tandem abstrampeln. Und wo haben sie das Gepaeck verstaut? Ja Roene... natuerlich hatten sie einen Anhaenger dabei! Die Franzosen brauchen eben immer eine Extrawurst ;-)
Nach einem Erfrischungsbad ging es bereits weiter und nach einem flachen, aber langen Aufstieg fing Moni kurz vor dem "Gipfel" einen Plattfuss ein. Natuerlich war das benoetigte Flickzeug zuunterst in der Tasche ;-(
Als der Schlauch gewechselt war, ging es mit deutlich weniger Schwung weiter. Obwohl es bereits am Eindunkeln war, wollten wir den Velencesee noch unbedingt erreichen. Als wir ein Waldstueck passierten wurde es definitiv zapenduster und ich entschloss wegen der defekten Fahrradbeleuchtung die Stirnlampe aufzusetzen, um wenigstens halbwegs etwas zu sehen und vor allem gesehen zu werden!
Ploetzlich zuckten wir zusammen, was fuer ein undefinierbares Geraeusch? Mit Moni's Holzrute "bewaffnet" fuhren wir langsam weiter. Vor uns, wir konnten nur die Umrisse erkennen, rannte etwas ueber die Strasse.
Es war zum Glueck ?nur? eine Hirschkuh, aber wir erschraken fast zu Tode. Das Bruellen stammte sicher von einem roehrenden Hirschmaennchen (bayrisches Waldtier, oder so). Wir erreichten den Campingplatz sehr spaet und ziemlich erschoepft. Weil gerade der Fussball EM Viertelfinal zwischen Portugal und England ausgetragen wurde und deshalb alle vor dem Fernseher sassen, hoerte lange Zeit niemand unser Klopfen und Rufen. Dennoch fanden wir rechtzeitig Einlass um die dramatische Schlussphase des Spiels am Fernseher mitzuerleben.
Am naechsten Tag fuehlten wir uns beide nicht so gut und hatten ueberhaupt keinen Appetit auf Essen. Die Temperaturen waren merklich gefallen und es war hoechste Zeit ein paar Tage auszuspannen. Wieder Fit und bei Kraeften ging es weiter ostwaerts, bis nach Kecskemet. In der Stadt fanden wir einen kompetenten Fahrradmechaniker, der mit Hilfe einer Lehre, unsere von den schlechten Strassen geschundenen Raeder, wieder auswuchtete. Die Stadt hatte wirklich Charme und so entschlossen wir ein bisschen laenger zu bleiben und auch unsere "Beisserchen" einem Service zu unterziehen. Die Zahnaerte Ungarns geniessen einen guten Ruf, sind guenstig und wir koennen auch heute noch kraftvoll zubeissen ;-)

Die naechsten Etappen waren durchwegs flach und nur die zunehmende Hitze setzte uns ein bisschen zu. Erst in der Hortogaby-Pustza, etwa 100 Kilometer vor der rumaenischen Grenze, trafen wir auf das Ungarn, das man aus den Hochglanzprospekten kennt. Weite trockene Ebenen, riesige Felder und immer wieder ein Ziehbrunnen, allerdings mehr zu dekorativen Zwecken. Die Hirten ziehen nicht mehr wie frueher als Nomaden durch die Pustza, sondern bearbeiten das Land vorwiegend mit dem Traktor und modernen Maschinen. Die ehemaligen Hirten haben aber das touristische Potenzial der Gegend erkannt und so wird man anlaesslich einer gefuehrten Tour in die Geheimnisse der Hirten eingeweiht. In Pferdekutschen wird man an verschiedene Plaetze gefuehrt, wo es neben Pferden, Graurinder, Zackelschafen, sogar Wasserbueffel zu bestaunen gibt. Der vermeintliche Hoehepunkt waren natuerlich die Reitervorfuehrungen, bei denen der Cisko auf dem Ruecken von fuenf Pferden im vollen Galopp um die staunende Touristengruppe reitet. Uebrigens das Fleisch der Graurinder ist ein sehr beliebter Exportartikel, weil es bis jetzt noch nicht mit dem BSE raegervirus infisziert wurde. Auf dem Weg nach Debrecen, der letzten groesseren Stadt vor der rumaenischen Grenze, lernten wir Stefan kennen, der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist und Freunde in Rumaenien besuchen will. Uebrigens, Stefan kennt Peti und Peti ist die beste Freundin von Moni. Wie klein die Welt doch ist ;-)
An unserem "letzten" Abend in Ungarn, besuchten wir noch eine Weinstube. Der Wein wird hier nur in 1dl Glaeschen zu einem Preis von umgerechnet 30 Raeppli ausgeschenkt. Hier empfahlen uns zwei einheimische Studenten ein gutes Restaurant, wo traditionelle ungarische Speisen serviert werden. Guter Tip!
Deftige Kueche, reichhaltiges Essen und ein netter Besitzer. Wahrlich ein versoenlicher Abschluss mit Ungarn, dem Land der Thermalbaeder und Fischer...

(suche die zehn Unterschiede)

Was fuer ein Gegensatz. Zur Stadt Debrecen hinaus fuehrte noch ein beschildeter Radweg. Danach ging es auf durchwegs guter Strasse bis zur Grenze und auch das neu erstellte Zollhaus auf ungarischer Seite, stach sofort ins Auge. Das sollte sich aber schnell aendern. Vor der rumaenischen Grenze passierten wir eine lange Kolonne wartender Autos und wurden von einem "freundlichen" rumaenischen Zollbeamten "scherzend' auf Drogen und Ecstasy angesprochen. Wir gingen nicht gross darauf ein und verabschiedeten uns nach Erhalt der Paesse freundlich...
Das zweite was wir vom Land zu Gesicht kamen, war ein alter Wachturm :-( Mit einem flauen Gefuehl im Magen radelten wir auf der schlechten Strasse weiter. Es war bereits Nachmittag und sehr heiss. In die Region Banat verirrt sich nicht mancher Tourist und auch die Zeit scheint hier ein bisschen stehen geblieben zu sein. Schon bald entdeckten wir unweit der Strasse einen kleinen idyllisch gelegenen Weiher, umringt von Schilf und kleinen Obstbaeumen. Auf der anderen Seite des Weihers waren Jugendliche am Baden. Wir taten es ihnen nach und goennten uns ein erfrischendes Bad ;-) Am Abend waren wir allein mit zwei Fischern und einigen Hunden, die niemanden zu gehoeren schienen und uns dauernd fuer etwas Essbares anbettelten. Als Dank wurden wir die ganze Nacht von bellenden und heulenden Hunden unterhalten, ein Phaenomen, das uns in ganz Rumaenien begleiten sollte ;-(
Am Morgen wurden wir durch Glockengebimmel geweckt. Eine Kuhherde? Nein, es waren Pferde mit Glocken, denen zudem die Vorderbeine zusammengebunden waren, damit sie nicht davontraben konnten. Kurze Zeit spaeter erschien der Hirtenhund, dicht gefolgt vom Hirten. Nach einem kuehlenden Morgenschwumm fuehrte uns die Strasse bis Marghita, eine sehr lebendige Stadt. Es war gerade Markt und ueberall begegnete man Pferdegespannen, die hier zum Transport von Allem, sogar von Autowracks, benutzt werden. Im Gegensatz zu Ungarn, scheint es hier ein bisschen lebendiger herzugehen. Immer wieder wurden wir von Leuten angesprochen und teilweise schon fast angefeuert ;-) Eine auf den Bus wartende Frau, streckte sogar den Daumen in die Hoehe, aber "leider" hatten wir keinen Anhaenger dabei ;-)

Die Felder werden hier noch groesstenteils "von Hand" bearbeitet, die Sense ist noch lange kein Relikt fuer das Heimatmuseum. Waren werden zum Teil noch in Handkarren, auch ueber groessere Distanzen befoerdert. Diese sind oftmals nur mit Eisenraeder bestueckt. Fuer uns mag das alles sehr nostalgisch erscheinen, aber hier ist es nur Mittel zum Zweck, weil schlichtweg das Geld fehlt! In den kleinen Doerfern scheint es dagegen den Leuten an nichts zu fehlen. Das meiste wird selber angepflanzt und seit dem Sturz Ceausescus 1989 hat ueberall rege Bautaetigkeit eingesetzt, wobei jeweils die ganze Familie von Jung bis Alt, Hand anlegt. Die Isolation des Landes, bedingt durch die 25 jaehrige brutale Diktatur Ceausescus und seiner Schergen, hat vielen das Leben gekostet und das Land in einen tiefen Dornroeschenschlaf versetzt. Obwohl die Revolution schon vor ueber 15 Jahren erfolgte, warten vor allem die Jungen auf den Aufschwung, der allerdings nicht richtig einsetzen will, weil die Politiker vor allem zuerst an sich denken (wo schon nicht!) Das Land ist sehr fruchtbar und besitzt neben riesigen Anbauflaechen, sogar eigene, noch nicht versiegte Erdoelquellen.
Aber auch touristisch hat das Land, einiges zu bieten und es gibt viel zu entdecken. Die Badestraende am schwarzen Meer sind noch nicht so ueberlaufen und die teilweise unberuehrten Bergregionen, in denen sogar noch Baeren und Woelfe beheimatet sind, laden zu ausgedehnten Wanderungen ein. Ausserdem gibt es unzaehlige, kleine schmucke Doerfer, dessen Kirchen erst kuerzlich mit Geldern der Unesco renoviert wurden. In Transylvanien, zu deutsch Siebenbuergen, taucht immer wieder ein "furchteinfloessendes" Schloss auf, das jeweils auf einem Huegel trohnt und frueher den Zugang in die Provinzen kontrollierte. In einem solchen soll einst Vlad the Impaler, der Sohn von Vlad Dracula, seinen Schrecken verbreitet haben. Er wird in der rumaenischen Geschichte als Held erwaehnt, weil er sich "erfolgreich" gegen die Tuerken zur Wehr setzte und bekam seinen zweifelhaften Ruf, weil er seine besiegten Gegner jeweils phaehlen liess. Er hatte eigentlich mit Vampiren ueberhaupt nichts am Hut, bzw an den Eckzaehnen, obwohl man ihm das gemaess Portraits durchaus abnehmen wuerde... Bis jetzt sind wir noch keinen Blutsaugern begegnet und auch Moni hat noch keine spitzen Eckzaehne. Wahrscheinlich hat unser Knoblauchverzehr schlimmeres verhindert ;-)

Wir genossen trotz der vielen Schlagloecher, die Fahrt durch kleine Doerfer. Dabei waren wir immer wieder angenehm ueberrascht, mit welcher Hingabe jeweils die Hinterhoefe herausgeputzt worden sind. Nicht selten trohnt in der Mitte ein Ziehbrunnen und das nicht nur zur Zierde. Im Gegensatz zu uns, ist man beim streichen der Haeuser einiges fantasievoller, hier gibt es wirklich Anstriche in allen Farben, auch wenn zum Teil nur die Front gestrichen wurde. Sogar Lastwagen werden in zartem Rosa bemalt, wahrscheinlich alles eingefleischte Cat Lakers ;-)
Auf der Fahrt nach Cluj-Napoca, mussten wir notgedrungen in einem kleinen Waeldchen, ganz in der Naehe der Hauptstrasse, uebernachten. Dieses "nette" Plaetzchen war aber auch ein beliebter Treffpunkt fuer Schaeferstuendchen. Immer wieder blendeten uns Autoscheinwerfer und als wir endlich einschliefen, riss uns ein starkes Gewitter aus dem Schlaf. Es blitzte und donnerte wie aus Kanonen und auch am naechsten Tag wurden wir nicht von Gewittern verschont. Wir fanden Unterschlupf in einem kleinen Laden, wo wir uns mit Wurst und Brot staerkten konnten. Die Besitzerin beschenkte uns noch mit Paprikas und beim betrachten der Fotoalben, die wir aus der Schweiz mitgenommen haben, schmolz auch das letzte Eis ;-)
In den kleinen Doerfern waren die Leute meistens sehr nett und hilfsbereit. Nicht selten wurden wir auf unsere Herkunft und das Ziel unserer Reise angesprochen. Wir untertrieben jeweils und sagten unsere Reise fuehre uns ?nur? bis ans schwarze Meer. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft in Cluj-Napoca, wurden wir von einem aelteren Mann angesprochen, der uns anerbot, bei ihm fuer wenig Geld zu naechtigen. Die Unterkunft war gemuetlich, sauber und erst noch viel billiger als die Hotels in der Naehe des Bahnhofs. Als Willkommesapero wurde Slivo serviert und nach ein paar weiteren Glaeschen, beschlossen wir den geplanten Ausflug in die Stadt sausen zu lassen ;-) Weil Vasile fast kein Englisch sprach, liess er kurzerhand seinen Neffen Claudiu kommen, der uns sehr behilflich war und uns versprach in den naechsten Tagen ein bisschen herumzufuehren.

Sic, ein kleines Dorf in der Naehe von Cluj, ist bekannt fuer seine traditionelle Musik, die vor allem an Wochenenden, bei Hochzeiten gespielt wird. Rumaenien hat musikalisch einiges zu bieten und vor allem die Zigeuner sind fuer ihr musikalisches Talent beruehmt. Der Ausflug in das kleine Dorf gestaltete sich allerdings komlizierter als erwartet. Wir waren viel zu frueh am Bahnhof, sogar zu frueh fuer einen Kaffee. Dafuer trafen wir noch ein paar Nachtschwaermer, die noch nicht genug hatten und Alkoholiker die nie genug bekommen. In Rumaenien kann man die Tickets jeweils erst eine halbe Stunde vor Abfahrt erstehen. Die Gefahr, den gewuenschten Zug zu verpassen, ist wegen der sehr langsamen Abwicklung beim Ticketbezug, latent vorhanden. Irgendwann sassen wir im richtigen Zug. Sic hat keinen Bahnhof und ist nur mit dem Bus erreichbar, aber nicht sonntags :-(
Autostopp ist auf dem Land, mangels oeffentlichen Verkehrsmittel, ein fester Bestandteil des Transportsystems. Wir mussten wirklich nicht lange warten, und schon bald sassen wir in einem Dacia (Renault-Kopie). Das aeltere Paaerchen das uns mitnahm, brachte uns direkt nach Sic, aber leider nicht zu einer Hochzeit. Der Grossvater der Braut war am Vorabend gestorben, so musste kurzfristig die Beerdigung organisiert werden. Die Hochzeit sollte aber trotzdem stattfinden, obwohl normalerweise, eine Zeitspanne von mindestens einem Monat zwischen solchen Erreignissen liegen muss. Gemaess gut informierter Quellen konnte die Beerdigung nicht verschoben werden, weil so kurzfristig kein Kuehlraum zur Verfuegung stand um den Leichnahm fuer den benoetigten Zeitraum zu konservieren. Die Hochzeit zu verschieben, war anscheinend nie ein Thema, obwohl die Vorstellung doch ziemlich makaber ist... Kurz zusammengefasst. Am morgen getrauert, am Nachmittag gefeiert, so ist das Leben, zumindest in Rumaenien! Geheiratet wurde traditionell in Trachten und wie wir noch weiter erfuhren, hatte sich bereits vor 10 jahren die gleiche Tragoedie abgespielt. Bei der Heirat der aelteren Schwester, verstarb am Vorabend die Grossmutter :-(( Musik gab es trotzdem noch zu hoehren, aber das ganze hatte doch ein bisschen einen fahlen Nachgeschmack. In den darauffolgenden Tagen wurde die Zeit genutzt, die Stadt und die naehere Umgebung von Cluj mit Hilfe von Teo und Claudiu zu erkundigen. Wir genossen die schoene Zeit in vollen Zuegen und fuehlten uns bei Vasile sehr wohl. Schweren Herzens nahmen wir Abschied.

Der Einstieg in den Radleralltag war brutal. Eine stetig ansteigende Schnellstrasse fuehrte uns zur Stadt hinaus. Von den alten Lastwagen, die uns im Zeitlupentempo ueberholten, wurden wir permanet mit Abgasen eingehuellt. Ein Automobilist war von unserer Erscheinung so ueberrascht, dass er die uebrigen Verkehrsteilnehmer total vergass und prompt einen Unfall verursachte :-( Zum Glueck gabs nur Blechschaden ;-)
Den Eingang zur Schlucht erreichten wir erst am spaeten Abend. Die morgendliche Wanderung durch die Turdaschlucht, mit ihren bis zu 300m hohen senkrechten Waenden, war beeindruckend. Bereits am Nachmittag ging es weiter. Aber schon bald hatte sich die Kette an Moni's Rad verklemmt. Mit verschmierten Haenden ging es noch ein bisschen weiter und der verdiente Lohn war ein weiches Bett in einer sehr gemuetlichen Jugendherge, mit dem Namen "Casa Helvetica". Es kamen schon fast heimatliche Gefuehle auf. Der Weg bis Sighisoara war landschaftlich aeusserst reizvoll und wir waren leicht geschockt als wir bereits von weitem hohen kamintuerme erblickten. Der Anblick der schwarz eingeruhsten Fabrikgebaeude war nicht gerade anmaechelig und man kann sich vorstellen, das es auch mit den Arbeitsbedingungen nicht zum Besten steht (GAV?)! In Copsa Mina, soll die Lebenserwartung nicht allzu hoch sein, also nichts wie weiter ;-)
Sighisoara, die Geburtsstadt von Vlad Tepes besser bekannt als Vlad the Impaler wird hier unter dem Label Dracula in grossem Stil vermarktet. Die Altstadt ist sehr schoen und gut erhalten. Den Friedhof wuerde ich allerdings nur bei Tageslicht aufsuchen ;-) Nach zwei velofreien Tagen ging die Fahrt weiter. Langsam naeherten wir uns den Karpaten und immer wieder gab es kleinere Huegel zu erklimmen. Auch von lustigen Zwischenfaellen blieben wir nicht ?verschont?, wie zum Beispiel das Auto mit Aargauer Kennzeichen das uns voellig unvorbereitet ueberholte, oder ein schlaksiger Bursche der Moni so frech den Weg abschnitt, und sie somit fast zu Fall brachte. Er wiederholte die ganze Aktion und erschrak damit auch einen einheimischen Radfahrer. Zum Schluss lieferten wir uns noch ein packendes Sprintduell, das er knapp zu seinen Gunsten entschied. Er kostete den Erfolg voll aus und riss die Arme mehrmals in die Hoehe ;-)))
Auf dem Weg deckten wir uns immer wieder mit frischem Gemuese ein. Garantiert unbehandelt und sehr guenstig. Eine Ausnahme bildeten die Pilze, die schlichtweg ungeniessbar waren und nach einer kleinen Geschmacksprobe weggeworfen werden mussten. Auch der Geisterwald, in dem frueher ganze Postkutschen verschwanden, konnte uns nichts anhaben und so erreichten wir den hoechsten Punkt unserer bisheriger Tour. Die Talstation des Skigebiets Prinai Brasov liegt auf ueber 1200m Hoehe. Kaum angekommen, setzte ein heftiger Platzregen ein. Gestaerkt mit Schokolade erreichten wir nach einem weiteren Anstieg und einer Abfahrt auf katastrophaler Strasse, endlich den Campingplatz. Die eeeiiiissskalte Dusche war wirklich
erfrischend.! Ein dreister Hund (Kaeseliebhaber!) wollte doch tatsaechlich einen Socken von Moni entwenden. Ich konnte ihn aber dank meiner diplomatischen Art, von der Sinnlosigkeit des Unternehmens ueberzeugen und somit groesseren Schaden abwenden ;-)
Der Znacht war schon fast dartmaessig. Fuer Moni gabs Birnensaft und fuer mich Bier mit Pommes-Chips. Nicht gerade Gourmetmaessig, aber so gabs wenigstens nichts zum Abwaschen ;-)
Am naechsten Tag stand der Besuch vom Schloss Dracula auf dem Programm. Wen ueberraschts, das Dorf Bran ist einer der meist besuchten Orte (nicht nur fuer Vampire...) in Rumaenien. Das Schloss entspricht genau dem Klische und gab auch die Vorlage zu Bram Stockers Kinohit Dracula, obwohl Stocker gar nie in Rumaenien war! Vlad Tempes hat hier nie gehaust, nur attackiert haben soll er das Schloss, das eine Zeit die Koenigin Marie von Rumaenien, die mit der Koenigin Victoria von England verwandt ist, beherbergte. Wir erkundigten noch ein bisschen die naehere Umgebung, die von hohen Bergen umrahmt ist und kehrten erst am Abend wieder auf den Zeltplatz zurueck. In den darauffolgenden Tagen gab es noch einige, allerdings kleinere Paesse zu erklimmen, bis endlich die Tiefebene erreicht wurde. In Sinaia, auch die Perle der Karpaten genannt, legten wir eine kurze Pause ein und schnuerten als Alternative zum ewigen "Sitzen" wieder einmal die Wanderschuhe, um auf den benachbarten Wipfeln wieder einmal frische Bergluft einzuatmen. In der Bugecialpen gibt es die groessten zusammenhaengenden Klippen in ganz Europa. Diese Fakten und die Tatsache das ich wirklich nicht schwindelfrei bin, ueberzeugten uns, nicht den mit Seilen gesicherten "Stairway to heaven" herunterzusteigen, sondern ?besser? die Seilbahn zu benutzen.

Das letzte Teilstueck bis zur Grenze, war wider Erwarten kurzweilig und landschaftlich aeusserst reizvoll! In den Karpatenauslaeufern ist die Vegetation, beguenstigt durch die zahlreichen Baeche und Fluesse sehr ueppig. Hier trafen wir viele Leute, die mit primitiven Werkzeugen, zum Teil grosse Steinbrocken von den Flussbeeten auf die Strasse schleppen. Diese werden dann mit Pferdewagen oder sogar im Kofferraum von Autos, ins naechste Dorf gebracht, wo sie verkauft werden. Solche Arbeiten werden vor allem von Zigeunern ausgefuehrt, die auch hier meistens ein tristes Dasein fuehren. Nicht selten sieht man ganze Familien, die ihr ganzes Hab und Gut auf Planwagen mitfuehren.


Landschaftlich erinnerte uns die Fahrt durch die Wallachei, an den Beginn unserer Reise in Rumaenien. In den kleinen Doerfern sitzen vor allem die aelteren Leute einfach am Strassenrand und beobachten die "Szene". Immer wieder winken einem ganze Familien zu. Das viel verbreitete Vorurteil ueber Rumaenien und die Rumaenen, hat sich fuer uns in keiner Weise bestaetigt. Wir fuehlten uns immer sicher und hatten nur an ?touristischen? Plaetzen (vor allem in Transylvanien/Siebenbuergen) das Gefuehl, das hier der Tourismus bereits einiges verdorben hat.


Am letzten Tag in Rumaenien erwischte es auch meinen Goeppel. Nicht einfach ein Plattfuss, ein langer Riss im Reifengewebe. Der Pneu muss definitiv ersetzt werden!

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