Durch Bulgarien bis Istanbul

Die Einreise nach Bulgarien erwies sich als problemlos. Sogar die Bruecke der Freundschaft, die Rumaenien mit Bulgarien verbindet, konnte mit dem Fahrrad passiert werden. Kurz nach dem Grenzbalken wurden die letzten rumaenischen Lei in bulgarische Lewa umgetauscht.
Die Suche nach einer geeigneten, sprich guenstigen Unterkunft, erwies sich aber komplizierter als erwartet. In Rumaenien musste man nur ein bisschen am Bahnhof herumlungern und bereits innert kuerzester Zeit wurde man, zumeist von aelteren Damen, auf eine Uebernachtungsmoeglichkeit angesprochen. Unsere Hartnaeckigkeit zahlte sich doch noch aus, und so fanden wir dank dem Hinweis eines aelteren Herrns, der zudem ein paar Brocken Deutsch sprach, doch noch eine guenstige Unterkunft. Das Hotel, zentral gelegen, war eine "umfunktionierte" Wohnung. Wir hatten Glueck, denn wir ergatterten das letzte freie Zimmer im ganzen Block.
Beim Nachtessen, wurden wir von einem "reiferen", symphatischen Mann in Hochdeutsch angesprochen. Er ist der Direktor der Deutschschule in Rousse. Zurzeit werden 1300 Schueler in verschiedenen Faecher und in deutscher Sprache unterrichtet. Wir wollten uns gerne die Schule ansehen und verabredeten uns daher mit Blamen fuer den naechsten Tag. Obwohl Schulferien anstanden, war er jeden Tag in der Schule beschaeftigt. Es gilt, mit einem immer kleineren Budget auszukommen. Die Schule versucht daher Partnerschaften mit anderen deutschsprachigen Schulen einzugehen. Bei unserem Besuch, wurden ihm, von einer ausschliesslich aus Frauen bestehenden Komission, erste Entwuerfe der neuen Lehrmittel praesentiert. Blamen brachte uns Bulgarien nicht nur in Geschichte einiges naeher, sondern versuchte uns auch den Alltag, die taeglichen Probleme und Sorgen der Bulgaren zu erlaeutern.
Apropos Stadtgeschichte gilt es folgende Tragoedie zu erwaehnen. Der Architekt des "Denkmals der Freiheit", ein Italiener Namens Arnoldo Zocchi, nahm sich kurz nach der Vollendung seines Werkes das Leben. Nur weil die Finger einer Hand, nicht genau den Proportionen entsprachen. (en richtige Tuepflischi...) Es war herrlich mit Blamen zu philosophieren und wir haetten ohne seine Hilfe sicher nicht so schnell einen geeigneten Ersatz fuer den kaputten Reifen gefunden, Merci! Wir revanchierten uns bei ihm und seiner Frau Krassimira mit einem Nachtessen. Das Abendessen wurde nach typisch bulgarischer Sitte mit einem Schopskasalat, bestehend aus Tomaten (hier gibt es noch Tomaten, die nach Tomaten schmecken!) Gurken, Paprika und Zwiebeln, eroeffnet. Ueber den Salat wurde frischer Schafskaese gerieben und dazu gabts ein Glas Schnaps. Normalerweise ein Glaeschen, scheue100g ;-) Wir wurden von Krassimira zurueck ins Hotel chauffiert, wobei immer wieder der Motor abstarb. Moni konnte sich das Lachen nicht verkneifen, wahrlich ein gelungener Abend!

Uebrigens die Arbeitlosenquote in Rousse, liegt bei fast 40%. Entspricht in etwa der CH-Scheidungsrate... Bei schoenstem und heissem Wetter, ging nach es fast einer Woche Stadtleben wieder weiter. Rousse gilt nicht zu Unrecht als die europaeischste Stadt Bulgariens. Die Stadt hat wirklich Flair und die unzaehligen Cafes laden immer wieder zum Verweilen ein. Rousse zu verlassen, hiess auch definitiv Abschied nehmen von der Donau, der grosse Strom der so lange unser treuer Begleiter war.

Meinem Goeppel hatte die Pause nicht so gut getan und so verklemmte sich schon kurz nach dem Start das Hinterrad. Wieder Abladen und Hinterrad fixieren! Danach ging es aber problemlos weiter und haetten wir die erste Abzweigung nicht verpasst... Ein bulgarischer Freizeitradler brachte uns wieder auf den "richtigen" Weg und schon bald erreichten wir die Basarborski Monastir, eine eindrucksvolle Felsenkirche. Hier wurden wir vom Igumen (Abt) ueberall freundlich herumgefuehrt. Der naechste Halt galt den Felsenkirchen von Ivano. Sie stehen in der Unesco-Liste und sind wahrlich traumhaft gelegen. Eingebettet im Nationalpark Russenski Lom, ist schon allein die Anfahrt der Besuch wert. Die Hoehlenkirchen verbergen sich in hohen, senkrechten Felsmauern am Ufer des Romenski Lom (Fluss). Die besten Maler dieser Zeit (13-14Jh.) wurden mit der Auschmueckung der Hoehlenkirchen beauftragt und die Malereien sind auch heute noch sehr gut erhalten. Auf dem Panoramaweg hat man einen grandiosen Ueberblick ueber den Nationalpark, denn hier hat sich der Fluss tief in die Kalksteinfelsen eingegraben. Japanische Touristen glaubten sogar, diese Landschaft sei kuenstlich und eigens fuer Touristen erschaffen worden.

Zurueck in Ivanov, wurden wir von einer starken Boe ueberracht. Wir suchten Schutz in einem Lokal, wo wir ein britisches Biker-Paaerchen kennen lernten, das zwecks Weltrekordversuch (http://www.spiritsofadventure.com) bereits ueber 70 Laender in kuerzester Zeit abgefraest hat. Da nehmen wir es doch ein bisschen gemuetlicher :-)

Am naechsten Tag wollten wir die zweitgroesste Tropfsteinhoehle Bulgariens besichtigen, aber welches ist die richtige Abzweigung? Zum Glueck fragten wir am richtigen Ort, zur richtigen Zeit ;-) Maria, die sympathische Besitzerin der Pension Edelweiss, war sowieso gerade auf dem Weg zur Hoehle. Waehrend der rasanten Fahrt wurden wir nur einmal aufgehalten. Maria wurde kurz energisch. Sie schrie etwas wie Maschina Russki, um den Autofahrer eines stehengebliebenen Wagens von der Strasse zu verscheuchen. Maria lachte dabei laut auf und schon ging es rassig weiter. Der Eingang zur Hoehle, waere ohne ihre Hilfe wirklich nicht einfach zu finden gewesen! Hier trafen wir auch Ivanov, der die Hoehle wie seinen Hosensack kennt. Nach einem Kaffe und einer Lektion in Bulgarisch, besichtigten wir die interessante Hoehle, die 1941, durch Zufall von einem Hirtenjungen entdeckt wurde. Sie ist ueber 35km lang, wobei bis jetzt erst 13km freigelegt und kartiert wurden. Noch heute verirren sich nur wenige Touristen dort hin. Nach der Besichtigung, wurden wir von Maria zurueck in die Pension gefahren und mit Melonen verkoestigt. Moni bekam sogar noch ein Paar handgestrickte Socken, wie sie in Bulgarien haeufig, vor allem von aelteren Herren getragen werden - wahrscheinlich eher etwas fuer mich ;-)

Kaum wieder unterwegs, wir wollten eigentlich nur ein paar Tomaten, Gurken und Kaese besorgen, wurden wir bereits wieder beschenkt :-) Weil der Laden gerade keine Tomaten und Gurken fuehrte, bescherte uns Dimitr mit einen Sack voll aus seinem eigenen Garten. Auf der Weiterfahrt nach Veliko Tarnovo, passierten wir viele kleine Doerfer. Den jeweils erstaunten Gesichtern, der durchwegs aelteren Dorfbewohner war anzusehen, das hier noch nicht mancher Tourist vorbei gekommen ist. Beim Auffuellen unserer Wasserflaschen, kamen wir mit 2 rumaenischen Lastwagenfahrern ins Gespraech. Beim naechsten Fotostop, "passte" uns der rumaenische Truckfahrer ab und liess uns erst wieder weiterradeln, nachdem er uns seine Wohnadresse uebermittelt hatte. Er meinte, wir sollten ihn doch einmal besuchen, wenn wir ein paar Tage ausruhen wollten...seine Frau sei eine gute Koechin - ein verlockendes Angebot!

Wir konnten es nicht lassen, und so statteten wir auch dem Kloster Preobrazenski einen kurzen Besuch ab. Die Schieberei lohnte sich, das Kloster, das malerisch gelegen, am Fusse einer Felswand liegt, geizte nicht mit schoenen Malereien und Ikonen. Die naechste groessere Stadt war Veliko Tarnovo. Sie war frueher Hauptstadt Bulgariens und ist wie ein Amphitheater auf mehrere Huegel gebettet. Ein Fluss schlaengelt sich zwischen den Huegeln durch die Stadt, die mich unweigerlich an Fribourg erinnerte. Veliko Tarnovo ist dank seiner einmaligen Lage nicht nur ein Reiseziel fuer Kunst- und Geschichtsinteressierte. Sie zieht auch sonst unzaehlige Touristen an, was leider nicht nur seine guten Seiten hat und die Suche nach einem guenstigen Zimmer auch nicht gerade vereinfachte. Wir fanden doch noch unser Plaetzchen, mussten aber dafuer unser ganzes Gepaeck, inklusive Fahrraeder, ueber 100 Treppenstufen schleppen. Wir wurden dafuer mit einer grandiosen Aussicht belohnt und weil soviel schleppen schlapp macht, goennten wir uns zuerst eine kleine Siesta...

Erholt, genossen wir danach das Abendessen. Es gab bulgarischen Eintopf und dazu eine grosse Schuessel Salat. Wirklich lecker! Wir verbrachten einige Tage in dieser schoenen Stadt und waren neben den vielen alten Kirchen und Ruinen vor allem vom Hinrichtungsfelsen beeindruckt. Hier wurden frueher jeweils unkompliziert Todesurteile vollstreckt, in dem man die Abgeurteilten einfach in den Abgrund stuerzte!

In Bulgarien gibt es diverse Kirchen, die keine Kuppel und keinen Glockenturm besitzen und von aussen in gar keiner Weise einer Kirche aehneln. Zum Teil befindet sich ein Teil der Kirche sogar unter der Erde. Das ist darauf zurueckzufuehren, das es waehrend der Herrschaft der Osmanen nicht erlaubt war, die Kirchentuerme hoeher zu bauen, als die Minarettentuerme der Moscheen.
Die Fahrt nach Trjavna fuehrte durch eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend. In Trjavna besuchten wir unter anderem ein SOS-Kinderdorf. Uns wurde das Konzept der SOS-Kinderdoerfer ein bisschen naehergebracht und zum Abschluss konnten wir sogar ein Haus besuchen. Wir wollen spaeter in Pakistan, oder Indien weitere Doerfer besuchen und versuchen evt. mit einem laengeren Aufenthalt, einen besseren Einblick zu erhalten. Die vom Kinderdorf empfohlene Unterkunft erwies sich nicht als geeignet. Wir fanden aber dank Isi, ein junger Trjavner, doch noch ein Stueckchen Wiese, das uns die griesgraemige Pensionbesitzerin, ein bisschen widerwillig, zur Verfuegung stellte. Wir verbrachten mit Isi und Olivier, der aus Fribourg stammt und den wir im SOS-Kinderdorf kennengelernt hatten, einen lustigen Abend. Aber bereits am naechsten Morgen, gab uns die Inhaberin der Pension nonverbal zu verstehen, das wir auf dem netten Wieschen nicht mehr erwuenscht seien ;-(
Wir nahmen es trotzdem gemuetlich und brachen unser Zelt erst nach einer ausgedehnten Dorfbesichtigung ab. Trjavna ist neben den Holzschnitzereien, auch fuer seine Kuperschmiede bekannt. So ergab es sich mehr zufaellig, das wir ploeztlich in Peters Werkstatt sassen. Unter kompetenter Anleitung des Meisters, wurde meinem gebrochenen Fahrradstaender eine Manschette verpasst. Das dauerte fast den ganzen Nachmittag, denn jeder Arbeitsschritt musste natuerlich mit einem Glaeschen Raika begossen werden ;-) Das Resultat liess sich sehen, hielt aber leider nur fuer einen Tag ;-( Zum feierlichen Abschluss gab es noch eine Spritztour, in seinem frisch renovierten Trabi, den er erst kuerzlich zum Preis von ca. 100 Euro erstanden hatte > ein wahres Schnaeppchen!

So konnten wir unsere Fahrt erst am spaeten Nachmittag fortsetzen, mussten uns aber bereits nach knapp 20 Kilometer dem immer staerker werdenden Regen beugen. Dank der Hilfe eines einheimischen Radlers, stolzer Besitzer einer Regenjacke Made in DDR, fanden wir doch noch ein warmes und trockenes Plaetzchen. Der Gastvater hiess uns mit einer heissen Tasse Schokolade willkomen, bevor er wieder zurueck in den Laden musste. Wir machten es uns zwischenzeitlich gemuetlich und goennten uns erstmal eine heisse Dusche ;-)
Ausgeschlafen und ausgiebig gezmoergelt. Beste Vorraussetzungen fuer eine "lange" Etappe, aber meistens kommt dann sowieso alles anders... Wir wurden vom Gastvater in seinem Moskovich bis zur Strassenkontrolle begleitet, denn der Pass war zwecks Renovation fuer den normalen Strassenverkehr gesperrt. Wir fuehlten uns fast ein bisschen V.I.P, denn waehrend der ganzen Fahrt begegneten wir ausschliesslich Baufahrzeugen.
Die Passtrasse der Republik, die 1946 nach einem Aufruf der kommunistischen Partei von zigtausenden "Freiwilligen" errichtet wurde, fuehrt ueber den Balkan. Nach einem Gipfelkaffe und einem Stueck Schokolade, ging es auf groesstenteils noch ungeteerter Strasse, hinunter bis Gurkovo. General Gurkovo fuehrte vor ueber 100 Jahren die russischen Truppen an, die die lange Herrschaft der Osmanen beendete und das Kommunistenzeitalter einlaeutete...

Moni musste natuerlich auch Geschichte schreiben. Moni's panische Angst vor "wilden" Hunden, wurde ihr zum Verhaengnis. Sie versuchte mit Hilfe einer Trillerpfeiffe, einen sich schnell naehernden, klaeffenden Hund zu verjagen. Das hatte allerdings fatale Folgen. Moni stuerzte, blieb aber zum Glueck ungebissen liegen ;-(( Der Hund konnte dennoch erfolgreich vertrieben werden, aber noch heute zeugen tiefe Schuerfwunden vom tragischen Zwischenfall. Moni, das tapfere Chnuschperli, biss auf die Zaehne und nach kurzer Verarztung konnte die Fahrt weitergehen. Ein Unglueck kommt selten allein und so brach nach einer Verpflegungspause an den Gestaden des groessten Stausees in Bulgarien, auch noch Moni's Fahrradstaender entzwei. Wir fuhren trotzdem weiter und fanden, nachdem wir ein paar saftige Pfirsiche am Strassenrand erstanden hatten, ein wirklich idyllisches Plaetzchen auf einem Flussinselchen. Hier goennten wir uns ein erfrischendes Bad im klaren Bach. Spaeter wurden wir vom Besitzer des angrenzenden Grundstuecks, mit Pfirsichen beschenkt. Die Pechstraehne hatte definitiv abgerissen ;;-)

In der Nacht waren dann die Maeuse aktiv, es raschelte die ganze Zeit, irgendwo. Kaum waren wir am morgen aus den Schlaftuetten geschluepft, gab es auch schon den ersten Besuch. Und was brachten sie mit? Es gab aber auch Leute, die nur ein bisschen Fischen wollten ;-) Wahrscheinlich benutzen sie Pfirsiche als Koeder?! Mit dem Vater des jungen Fischers entwickelte sich dann ein interessantes Gespraech und so wurde es wieder einmal ein bisschen spaeter, bis endlich die Speichen surrten. Bis ans Meer durchfuhren wir noch etliche kleine Doerfer, in denen Esel und Pferde noch nicht durch Traktore, oder SAP ersetzt wurden. In den Ortschaften, groesstenteils von den Jungen verlassen, sitzen jeweils die Pensionaere, alle einheitlich in blaue Kittel gekleidet, wie an einer Perlenkette aufgereit am Strassenrand. Die Landflucht ist seit der Wende ein serioeses Problem in Bulgarien. Die Jungen versprechen sich mehr Chancen und "leichteres" Geld in den Staedten. Das Land, sehr fruchtbar, liegt so groesstenteil brach. Daher muss vieles exportiert werden, was nicht unbedingt neue Arbeitsplaetze, sondern vor allem hoehere Kosten fuer den Konsumenten verursacht.

Die erste Bekanntschaft mit dem schwarzen Meer war nicht sehr vielversprechend, und den ersten Campingplatz den wir ansteuerten, war vor allem teuer und ueberlaufen. Auf anraten eines jungen bulgarischen Paaerchens, fanden wir einen bedeutend netteren Campingplatz, der auch entschieden billiger war. Kaum hatten wir das Nachtessen beendet, wurden wir von einem starken Gewitter ueberrascht. "Intelligenter"weise hatten wir unser Zelt in einer schattigen Senke aufgebaut, was uns dafuer ein kostenloses Wasserbett bescherte ;-( Das Zelt blieb aber dicht und mit Hilfe unserer Zeltnachbar war unser Heim bald besser positioniert. Den ganzen Abend herrschte auf dem Campingplatz rege Taetigkeit, ueberall wurden Graeben ausgehoben und nicht wenige, fluechteten in ihre Autos. Das unstabile Wetter hielt noch ein paar Tage an, aber bald dominierte wieder die Sonne und es bestand wieder berechtigt Hoffnung, einen Sonnenbrand einzufangen ;-()
Wir verbrachten insgesamt fast 2 Wochen an der Schwarzmeerkueste und machten immer wieder Ausfluege in die anliegenden Doerfer. Immer mehr Campingplaetze werden durch unpersoenliche Hotelbauten abgeloest, weil es damit einfach mehr Geld zu verdienen gibt. Frueher gab es ganze Ferienkolonien, Campingplaetze mit grossen Gemeinschaftsraeumen, wo die Jugend jeweils vom Staat gesponsert" ein paar Tage Urlaub verbringen konnte. Grosse, zum Teil verfallene Gebaeude, zeugen noch heute davon. Zum Schluss fanden wir noch ein richtig nettes Plaetzchen, wo man kostenlos sein Zelt aufschlagen und gegen ein kleines Entgelt WC und Duschen benutzen konnte. Dank dem geringen Salzgehalt ist das Schwimmen im schwarzen Meer ein wahres Vergnuegen und auch unsere Neuinvestionen, (Federball und Sonnenschirm) konnten endlich amortisiert werden. Auf dem Zeltplatz lernten wir noch eine Gruppe junger Bulgaren kennen, die sich hier fast jedes Jahr treffen. Sie kamen alle aus Sophia und sprachen sehr gut Englisch. Wir sassen meistens am Abend zusammen und jeder steuerte einfach etwas zum Abendessen bei. Ein spektakulaeres Gewitter bildete das gelungene Schlussbouquet. Wir hatten uns schon richtig ans Strandleben gewoehnt und so fiel es uns nicht leicht weiterzuradeln...

Es war ziemlich warm und auch die Strasse stieg schnell an. Der Weg bis zur tuerkischen Grenze war in keiner Weise ein Spaziergang! Ausserdem gab es kleine laestige Muecken, die wir bei einer durchschnittliche Geschwindigkeit von ~ 10km/Std. leider nicht abschuetteln konnten ;-( Wir versuchten die Biester zu ignorieren, aber auch das half nichts. Es waren einfach zu viele! Erst der brutale und konzentrierte Einsatz von Antimueckenspray brachte endlich Linderung ;-)
Die bulgarisch/tuerkische Grenzregion, nennt man auch Stransha. Die ganze Region besticht durch ihre ueppige Vegetation und ihre grosse Artenvielfalt. Die Region ist auch die Heimat alter Festbraeuche, wie zum Beispiel "dem Tanz auf der Feuerglut", ein Ueberbleibsel der antiken "Zauberei". Allerdings geht der religoese Inhalt immer mehr verloren und die Taenze werden heute vorwiegend als Touristenattraktion von Romas (Zigeunern) dargeboten. Kein Taenzer verfaellt dabei mehr in einen Trancezustand, denn die allseits bewunderte "Schmerzbeherrschung" ist nur durch einen Trick moeglich. Vor Betreten des Glutfeldes und von keinem bemerkt, laufen die Taenzer immer wieder durch eine Schlammschicht, um so seine nackten Fuesse mit einer Erdkruste zu schuetzen. Nicht zur Nachahmung empfohlen!
Unsere Begegnung mit Zigeunern in der Stransha-Region verlief allerdings nicht so "schmerzlos". Eigentlich wollten wir nur unsere Wasserflaschen auffuellen und dann weiterradeln.. Die Wasserstelle war aber bereits durch 3 junge Maedchen besetzt und spaeter gesellte sich noch eine junge Frau dazu. Die Maedchen kicherten die ganze Zeit herum und obwohl wir uns der Situation eigentlich bewusst waren und die Raeder stets im Blickfeld hatten, schafften sie es irgendwie, meine Digitalkamera zu entwenden. Leider bemerkte ich den Diebstahl erst ein paar Kilometer weiter ;-(( Wuetend, vor allem ueber uns selber, entschlossen wir uns, zum Brunnen zurueckzufahren. Wir konnten es irgendwie nicht fassen und schon gar nicht akzeptieren, das ein Grossteil unserer Bulgarienfotos einfach "weg" waren. So entschlossen wir uns, zum "Tatort" zurueckzukehren, denn wie wir es in Krimis immer wieder vorgefuehrt bekommen, kehrt der Taeter frueher, oder spaeter zum Tatort zurueck.
Ich war bereits auf dem Weg zum Zigeunercamp, dort wo wir die Maedchen vermuteten und dort, wo wir sie zuletzt auch gesehen hatten. Gleichzeitig hielt ein Lastwagenfahrers bei der Wasserstelle. Er riet uns, dies zu unterlassen und besser auf die Polizei zu warten, die er auf dem Weg benachrichtigen wollte. Die Polizei bekamen wir nie zu Gesicht, aber wie es der Zufall so wollte, trafen wir erneut Toshko und Enrico, zwei Forscher aus Sophia. Sie waren zwecks Studium von Insekten, in der Stransha-Region unterwegs. Ihr werdet es nicht glauben, aber die dreisten Maedchen kamen wirklich noch einmal zurueck. Als sie uns sahen, erschraken sie. Das war der Ausloeser! Toshko und Enrico, ein Vollblut-Italiener, suchten "bewaffnet" mit einer Gartenhacke das Camp auf. Sie bekamen, nachdem sie mit der Polizei gedroht hatten und lautem Geschrei der Meadchen, doch tatsaechlich die Kamera unversehrt zurueck! So sind wir jetzt Besitzer von unvergesslichen Fotos aus dem Camp ;-)))

Der folgende Tag verlief bedeutend ruhiger und wir passierten ein paar kleine, verschlafene "Nester" mit kuriosen Namen, wie Kondolovo, oder Grammatikovo. Hier lernten wir einen ruestigen, 77 jaehrigen Rentner kennen, der, was fuer ein Zufall, als Kind die Deutsche Schule in Rousse besuchte. Weil die Schule waehrend dem 2ten Weltkrieg Kontakte mit Deutschland pflegte, wurde er, wie viele andere auch, nach dem Krieg in ein Lager verfrachtet. Sein lakonischer Kommentar: "was dich nicht umbringt, macht dich stark!" Er zeigte uns noch seine Wohnung und beschenkte uns ausreichend mit frischem Gemuese, Eingemachtem und einem selbst verfassten Buch :-) Er hatte sich mit 75 Jahren entschlossen, der Haupstadt den Ruecken zu kehren. Im beschaulichen Grammatikovo, kaufte er sich mit dem Geld, das er sich als Lastwagen, Buschauffeur und Taxifahrer verdient hatte, eine kleine Wohnung. Er liest und schreibt sehr viel und zwischendurch chauffiert er juengere und reifere Damen ins Spital. Ein wahrer Gentleman!
Im Aufstieg nach Malko Tarnovo, der letzten Stadt vor der tuerkischen Grenze, trafen wir auf eine Gruppe "Hippies" aus Frankreich und Spanien. Wir bekamen lustigerweise die Gruppe in den naechsten Tagen immer wieder zu Gesicht. In Malko Tarnovo wollten wir, auf Empfehlung bulgarischer Touristen, in einem Spital naechtigen. Doch die vielen weissen Kittel und der "hohe" Preis hielten uns davon ab. Wir fanden doch noch eine preiswerte Unterkunft in einem aelteren grauen Wohnblock. Das Abendessen wurde auf dem Balkon zubereitet. Noch am selben Abend standen in der Stadt verschiedene Folkstaenze und Glutlaeufer auf dem Programm. Wieder einmal ein versoehnlicher Abschluss! Nach dem feinen Morgenessen bei der "Hippietruppe", nahmen wir die letzten 10 Kilometer bis zur Grenze unter die Raeder. Verdammt schlechte Strasse, viele Loecher und knapp vor der Grenze fing es auch noch an zu regnen...ein gutes Omen?

Die Grenze konnte ohne zusaetliche "Kosten" ueberquert werden und auch die Sonne drueckte bereits wieder durch. Der Wechselkurs an der Grenze war erbaermlich schlecht, aber wo kann man sonst so schnell Millionaer werden (fuer 1sFr. bekommt man ueber1Mio Lira)?
Hohe spitze Tuerme kuendigten bereits das erste tuerkische Dorf an. Es hatte unzaehlige Staende, an denen frisches Gemuese verkauft wurde. Ueberall sassen die Alten zusammen und spielten Domino oder Tabla (Backgammon). Die Landschaft wurde ab Lueleburgaz immer eintoeniger, dafuer nahm der Verkehr, je mehr wir uns Istanbul naeherten, stetig zu. Eine Abwechslung waren jeweils die Stopps an den Tankstellen. Eigentlich wollten wir jeweils nur kurz anhalten und unsere Wasservorraete aufstocken, aber so schnell liess man uns nicht gehen. Fuer einen Caj (Schwarztee) hat man immer Zeit! Es scheint fast so, das ein Grossteil des Tankstellenpersonals, mit dem abbruehen von Schwarztee beschaeftigt ist ;-) Einmal wurde Moni sogar mit einer Packung Erfrischungsseife (12 Stueck!) und Handtuechern beschenkt... sie machte sich danach ernsthaft Gedanken betreffend unserem Koerpergeruch ;-)

Die Leute waren durchwegs freundlich und immer sehr hilfsbereit. Einmal suchten wir in einer verlassenen Tankstelle Unterschlupf vor einem nahenden Gewitter. Es dauerte nicht lange und schon bekamen wir Besuch. Ismael war auf dem Weg nach Istanbul und erkundigte sich einfach nur nach unserem Wohlbefinden. Er gab uns noch eine Cola und wuenschte uns alles Gute fuer den weiteren Weg. Der Verkehr zerrte an den Nerven und so legten wir eine kurze Pause in Silivri ein. Der Campingplatz machte einen gepflegten Eindruck und war direkt am Marmarameer gelegen. Oben, der Sohn der Besitzer versorgte uns mit zahlreichen Tipps betreffend Istanbul und war auch sehr hilfreich beim Uebersetzen. Hier lernten wir auch eine symphatische tuerkische Familie kennen, die uns spontan einlud, sie in Istanbul zu besuchen. Frischen Mutes stiegen wir wieder in die Pedalen und "kaempften" uns durch den Verkehr. Wir brachten es doch tatsaechlich fertig, waehrend des Feierabendverkehrs, in Istanbul einzuradeln.
Wir schafften es nicht mehr ganz bis ins Zentrum, sondern kapitulierten knapp 20 Kilometer vor der Stadt, ganz in der Naehe des Flughafens Atatuerk. Der Campingplatz war wirklich idyllisch gelegen. Direkt in der Flugschneise, ein wirklich lauschiges Plaetzchen, das mich irgendwie an meine Jugend erinnerte ;-)

Netterweise wurden wir noch am gleichen Abend von einem Deutsch/Polnischen Paaerchen zu einem Abendbrot eingeladen. Sie sind mit anderen Wohnmobilbesitzern bis in die Tuerkei gefahren und wollen hier noch ein bisschen herumreisen bevor es wieder Richtung Heimat geht. Den naechsten Tag fuhren wir mit dem Zug ins Zentrum und sahen uns in Ruhe nach einer geeigneten, sprich guenstigen Unterkunft um.Was wir so alles in Istanbul erlebten haben, das koennt ihr dann im naechsten Reisebericht nachlesen ;-)))

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