von Gilgit (Pakistan) bis Ali (Tibet)

Fuer die Strecke von Gilgit bis zur chinesischen Grenze nahmen wir uns viel Zeit und erkundigten auch immer wieder zu Fuss die faszinierende Bergwelt im Norden von Pakistan. In Passu, wo die Gletscher fast den Karakorum Highway beruehren, wagten wir uns ueber wacklige Haengebruecken und wurden dafuer von freundlichen Einheimischen zu Cay und Chapati (Tee und Brot) eingeladen
Weil es nicht erlaubt ist mit dem Fahrrad von Pakistan in die chinesische Volksrepublik einzureisen, mussten wir, nachdem wir den ueber 4700 Meter ueber Meer gelegenen Kunjerabpass eradelt hatten, einen Bus besteigen, der uns bis nach Tashkurgan brachte. Wir waren wirklich ein lustiges Trueppchen
und so verging die streng bewachte Fahrt trotz einiger haarstraeubenden Flussueberquerungen wie im Fluge.
In Tashkurgan, der ersten groesseren Stadt in China, wurde noch einmal angestossen bevor wir wieder die Raeder sattelten.
Da momentan die Strecke von Tashkurgan bis Kashgar komplett neu erstellt wird, befindet sich die Strasse groesstenteils in sehr schlechtem Zustand. Dafuer entschaedigte immer wieder die Landschaft. Wie zum Beispiel am Karakul See, wo wir am Fusse des fast 8000Meter hohen Berg Muztagh Ata, zu deutsch der Eisberg, unser Zelt aufschlugen und uns am naechsten Morgen prompt ein Hirtenjunge mit Dromedar ueberraschte. Nicht nur Yaks bekamen wir zu Gesicht, auch zwei junggebliebene Biker, eine Mischung aus Easy Rider und ZZ Top, kreuzten unseren Weg.
Nach dem Checkpoint in Ghez wurde die Schlucht immer offener, den wir naeherten uns Kashgar, das am Rande der Takla Makan Wueste liegt. Kashgar liegt in der Provinz Xinjang. Die Mehrheit der Bevoelkerung sind Uyguren. Sie sind vorwiegend Moslems und die uygurische Sprache ist eine Mischung aus Tuerkisch, Russisch und anderen Sprachen, die in Zentralasien gesprochen werden. Hier war es problemlos moeglich Traveller Checks einzutauschen und sich mit allem Notwendigen fuer die Weiterreise einzudecken. Kashgar war frueher eine wichtige Handelstadt an der Seidenstrasse und der Sonntagsmarkt zieht heute vor allem viele Touristen an.
In der Altstadt, in den engen Gassen nahe der Moschee, kam man allerdings noch den alten Geist von Kashgar spueren.
Beim Volkspark trohnt eine Mao-Statue, eine der groessten in ganz China und holt einen unweigerlich wieder in die chinesiche Realitaet zurueck, dessen Regime nicht viel Feingefuehl zeigt, im Umgang mit Minderheiten.
In Kashgar lernten wir Iso, einen symphatischen Buendner kennen, der auch mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er hatte vor, von Kashgar nach Kathmandu zu radeln, ein Unterfangen, das fuer uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Frage kam. Das sind ueber 2000 Kilometer, auf zum Teil sehr schlechter Piste in grosser Hoehe.
Die Strecke von Kashgar bis Yecheng war vorwiegend flach und asphaltiert. Das groesste Problem war die Hitze, die je mehr wir uns der Wueste naeherten, unertraeglicher wurde. Nach einem Ruhetag in Yecheng, entschlossen wir uns spontan Iso anzuschliessen und die "Geniesser"strecke nach Ali unter die Raeder zu nehmen. Schon bald stellten sich uns die ersten Paesse in den Weg und die Schotterpiste machte die Aufgabe auch nicht leichter. Nach dem ersten Checkpoint in Kudi, den wir problemlos passierten, ging es definitiv in die Hoehe und wir schlugen unser Zelt auf einer Hochebene auf.
Bei der Abendtoilette wurden wir von einem Sturm ueberrascht und reichlich mit Hagelkoernern eingedeckt. In Erwartung weiterer heftiger Regenfaelle, entschlossen wir, unser Zelt an einem weniger exponierten Platz aufzustellen. Am spaeteren Nachmittag erschreckte uns ein ploetzliches Donnern, denn in unmittelbarer Naehe ereignete sich gerade ein Bergsturz. Waehrend der Nacht gab es immer wieder Regenfaelle und auch am Morgen nieselte es noch leicht. Die ersten Aufhellungen wurden sofort ausgenutzt um die Zelte abzubrechen. Trotzdem verzoegerte sich die Weiterreise, den das Filtern vom lehmigen Flusswasser, nahm sehr viel Zeit in Anspruch.
Auf dem Weg zum Pass lernten wir eine Gruppe chinesischer Radfahrer kennen, die auch mit der zunehmend schlechter werdenden Piste zu kaempfen hatten. Auf der Lehmpiste gab es fuer Motorfahrzeuge gar kein Durchkommen mehr und auch wir erreichten erst am spaeten Nachmittag den ueber 4880Meter hohen Pass.
Auf der Abfahrt nach Mazar gab es dann noch zahlreiche Fluesse zu ueberqueren und so erreichten wir erst gegen Abend die kleine Ansammlung von Bretterbuden. Wir bezogen Quartier in einer ausrangierten Militaerbasis und entschlossen einen Ruhetag einzulegen. Der wurde genutzt, um die stark beanspruchten Raeder und Kleider einer intensiven Pflege zu unterziehen.
Nach einem pikanten chinesichen z'Morge radelten wir gemeinsam mit unseren chinesichen Radlerkollegen weiter und naechtigten nach 50 Kilometern in einer Strassen Reparatur Station. In der von Uyguren betriebenen Unterkunft gab es wuerzige Nudelsuppe und zum Dessert eine Partie Ping-Pong. Die scharfe Suppe wurde uns auch am Morgen serviert. Die richtige Kraftbruehe fuer den bevorstehenden Aufstieg zum 4850 Meter hohen Xaidula-Pass.
Fuer die ueber 1000 Hoehenmeter brauchten wir unsere Zeit und vom Pass waren es immer noch ueber 50 Kilometer bis zum Tagesziel. Entsprechend geschafft kamen wir in Xaidula, einem von den Chinesen aus dem Boden gestampften Kleinstadt an. Nach einer heissen Dusche im ortsansaessigen Bordell, wurde noch eine Partie Tschau Sepp gespielt.

Nach dem Ruhetag gab es einen weiteren, kleineren Pass zu erklimmen. Allerdings machte uns der heftige Gegenwind stark zu schaffen und so erreichten wir erst gegen Einbruch der Dunkelheit und mit nassen Fuessen (Erdrutsch sei Dank) die naechste Oase, sprich Strassen Reparatur Station. Wir wurden im Fernsehstuebli, wo noch reger Betrieb herrschte einquartiert. Die Bude war rappelvoll und im TV liefen Musikvideos von Modern Talking. Was braucht man mehr? Zum z'Nacht und z'Morge gab es, welch Ueberraschung, wieder einmal pikante Nudelsuppe. Am naechsten Tag hatte Li In grosses Pech, den an ihrem Fahrrad brach der hintere Wechsler und es blieb ihr und Friday nichts anderes uebrig als einen Militaerlastwagen anzuhalten, der sie bis zur naechsten Ortschaft mitnahm. In Dahongliatan schaffen wir es wirklich , Li In's Fahrrad in einen Eingaenger umzubauen und so stand der gemeinsamen Weiterreise nichts mehr im Wege. Das Hochgefuehl sollte allerdings nicht allzu lange anhalten, denn bereits beim naechsten Etappenziel, war die Fahrradreise fuer Li In, Friday und Jo In vorerst zu Ende. Li In hatte sich eine starke Erkaeltung zugezogen und klagte ueber starke Kopfschmerzen. Das war in Anbetracht der bevorstehenden Etappen eine zu grosse Hypothek, den es galt in kuerzester Zeit zahlreiche 5000er Paesse zu ueberwinden. Im Aufstieg zum ueber 5100 Meter hohen Kitai Pass, wurden wir noch von einem Hagelgewitter ueberrascht. Der Spuk war allerdings schnell vorbei und der erste 5000er Pass belohnte uns mit einer grandiosen Aussicht. Nach einer rasanten Abfahrt schlugen wir unsere Zelte nahe einer Quelle auf.

Waehrend wir versuchten in fast 5000 Metern Hoehe Reis zu kochen, passierten uns in vollbeladenen Camions unsere chinesischen Radlerkollegen. Es tat uns wirklich leid fuer sie, denn sie waeren so gerne mit uns gemeinsam die ganze Strecke bis Ali geradelt :-(
Wir entschlossen uns, nach ueber einer Stunde Kochzeit den Reis crunchy zu geniessen und waren um eine Erfahrung reicher. Weil in fast 5000 Meter Hoehe das Wasser bereits weit unter 100 Grad Celsius kocht, ist es nicht empfehlenswert Reis, Nudeln, oder Kartoffeln ohne Dampfkochtopf zu kochen. Ja man hat nie ausgelernt.... Auf dieser Hoehe kommt man schnell ins Schnaufen und es ist besser man geht die Sache nicht zu schnell an.

In Tianshuibai, einem kleinen Drecknest in der Mitte von Nirgendwo, legten wir einen weiteren Ruhetag ein und vertrieben uns die Zeit mit Ping-Pong und Billard. Die besseren Zimmer sind sogar mit Sauerstoffflaschen ausgestattet. Die Mehrheit der ansaessigen Soldaten, hat hier mindestens ein Jahr abzusitzen und die einzige Abwechslung neben verrueckten Radlern, sind hier DVD's und klaeffende Hunde.
Wir radelten fast eine Woche in dieser grossen Hoehe und hatten auf unserem restlichen Weg bis Ali noch 6 weitere 5000er Paesse zu ueberwinden. Wir fanden manch schoenes Plaetzchen, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten. Es ist immer wieder herrlich in der freien Natur sein Heim aufzuschlagen. Oftmals fanden wir wunderschoene Fleckchen direkt an einem Fluss, oder tuerkisblauen See.
Der Sternenhimmel ist hier so intensiv und die Wolken scheinen auf dieser Hoehe wirklich den Boden zu beruehren.
In Sumxi, dem ersten tibetischen Dorf gesellten sich zum Abendessen noch drei tibetische Camionfahrer zu uns. Waehrend der Nacht wurde es ploetzlich eng auf der gemeinsamen Pritsche im Zeltdormitory , als sich noch ein paar Tibeter und Tibeterinnen dazulegten und wir uns kurzfristig umorganisieren mussten :-)
Kurz nach Sumxi stand mit fast 5300 der bis jetzt hoechste Pass auf dem Programm. Es lief uns ueberraschend gut und kurz vor dem Pass, trafen wir noch auf eine Gruppe Schafhirten. Sie waren gerade damit beschaeftigt, nur mit einem Messer ausgestattet, hunderte von Schafen zu scheren. Am naechsten Morgen zwang uns heftiger Regen, das Morgenessen in unserem Hotelzelt einzunehmen, bevor wir die Etappe nach Domar in Angriff nahmen.
Hier legten wir unseren letzten Ruhetag vor Ali ein und deckten uns im sehr gut dotierten Supermarket noch einmal kraeftig mit Esswaren ein.
Bis Rutok, ging es auf sehr schlechter Strasse immer dem wunderschoen gelegenen Pay Gong See entlang, der seine Fuehler bis ins nahe Indien austreckt. In Rutok, einer weiteren weiss gekachelten Retortenstadt, konnten wir sogar Kaffee, kleine Brotfladen und Honig erstehen. Eine willkommens Abwechslung zum ueblichen z'Morge :-) Die restlichen 120Km bis Ali wollten wir in 2 Tagen abspuhlen, was angesichts der groesstenteils katastrophalen "Strassen"verhaeltnisse wirklich ein hartes Stueck Arbeit war!
Wir unterbrachen unsere Fahrt auf einer von tibetischen Hirten besiedelten Hochebene. Auf der Suche nach Trinkwasser wurden wir von einer Familie spontan zu Buttertee und Tsampa
(Hirsenbrei) eingeladen.
Das Aufstellen der Zelte wurde nicht nur von den ansaessigen Hirten aufmerksam verfolgt
Nach einem spektakularen Sonnenuntergang verkrochen wir uns in unsere Zelte und nahmen am naechsten Morgen die restlichen 70Km unter die Raeder.
Die zunehmend schlechte Strasse zwang uns auf die parallel zur Hauptstrasse verlaufende Piste auszuweichen. Aber nicht nur die unerbittliche Wellblechpiste zerrte an den Kraeften, auch die zahlreichen Sandverwehungen liessen immer wieder die Raeder einsinken. Wir waren wirklich froh nach einem Monat und fast 1300 geradelten Kilometern endlich in Ali einzufahren.
. . . . Hier fanden wir ziemlich schnell ein guenstiges Hotel mit Dusche, das auch Auslaender beherbergen darf. Und zur gegenseitigen Ueberraschung trafen wir in Ali auch wieder Lina&Andreas. Sie bekundeten allerdings grosses Pech, den auf dem Weg nach Ali erlitt Andreas Fahrrad Rahmenbruch :-((
Spaeter trafen immer mehr Radfahrer in Ali ein, darunter auch Alice&Antoni, ein belgisch/baskisches Radlerpaaerchen, das wir bereits in Kashgar kennengelernt hatten. Nach einer gruendlichen Rasur steht der Weiterreise zum fuer die Buddhisten und Hinduisten heiligen Berg Kailash nichts mehr im Wege ;-))

 

top

zurück../..Home