von Lhasa bis Kathmandu

Im geraeumigen Zimmer wurde zuerst einmal ausgespannt, bevor wir ein bisschen die Stadt erkundigten.
Der Potala Palast, ehemaliger Sitz des Dalai Lama uebt immer noch eine magische Anziehungskraft aus und zieht nicht nur Pilger an.
Die radikale Ansiedlungspolitik von Chinesen in Lhasa hat die Stadtbevoelkerung von 20.000 Einwohnern in den 80er Jahren auf heute ueber 400.000 Einwohner sprunghaft ansteigen lassen und die Bevoelkerungszahl steigt weiter. Die Fertigstellung der Zugverbindung Golmud - Lhasa im Oktober wird ihr Uebriges dazu beitragen. Lhasa gleicht dem gaengigen Muster der uebrigen chinesesichen Staedte die wir bereits zuvor im Tibet und Xinjang angetroffen haben. Breite Strassen und ueberall weiss gekachelte Haeuser. Hier bekommt der westliche Tourist alles was sein Herz begehrt. Die Chinesen wissen um die Bedeutung fuer den Tourismus, so dass die Altstadt fein herausgeputzt wurde und dem Touristen ein Bild vermittelt werden soll, das sich seit dem gewaltsamen Einmarsch der Chinesen nicht allzu viel veraendert hat. In Lhasa findet man schon lange nicht mehr das mystische Tibet, wie wir es uns allzu gerne vorstellen, trotzdem ist es immer noch eindruecklich, die unzaehligen Pilger auf der Kora um den Jokhang Tempel zu begleiten. Immer wieder wurde uns vor, allem von aelteren Pilgern ein aufmunterndes Laecheln geschenkt.
Neben der Visumsverlaengerung fuer China und dem Visaantrag fuer Nepal, fanden wir doch noch Zeit die Kloester von Sera und Gamden zu besuchen. Im Sera Kloster war es interessant den heftig debattierenden Moenchen bei zuwohnen. Es ging zum Teil sehr emotionell zu und her. Es wurde belehrt und korrigiert, aber der Spass blieb nie auf der Strecke.
Bevor wir das Kloster in Gamden betraten, das gut eine Busstunde von Lhasa entfernt ist, absolvierten wir die Kloster-Kora. Der Parcours war abwechslungsreich und verlangte alles ab. Das reich verzierte Kloster ist wunderschoen gelegen und immer noch eine wichtige Pilgerstaette fuer die Tibeter. Wir stellten uns auch die Frage, ob es sinnvoll ist die von den Han-Chinesen kontrollierten und verwalteten Kloester zu besuchen. Wir sind uns auch im Klaren das der groesste Teil des Eintrittsgeld der chinesischen Regierung zufliesst. Das ist leider eine traurige Tatsache, aber leider nicht mehr zu aendern. Es muesste viel mehr Druck auf politischer Ebene ausgeuebt werden, obwohl es eigentlich dazu schon viel zu spaet ist.
Leider ist halt China ein viel zu grosser Markt und jeder (auch die Schweiz) moechte gerne ein Stueck vom Kuchen haben. Wir haben aber auch, (wenn auch nicht viele) junge Chinesen kennengelernt, die sich durchaus kritisch gegenueber dem chinesischen Regime aeussern.
Wir verbrachten fast ein Woche in Lhasa und mussten uns nach Erhalt der 15 taegigen Visaverlaengerung wirklich ein bisschen sputen. Eigentlich schade, den auf der Strecke bis Kathmandu gibt es einiges zu sehen. Nach einer gemuetlichen Etappe entlang des Kyi Chu Flusses, mit fuer tibetische Verhaeltnisse starkem Verkehrsaufkommen, erwartete uns bereits der erste Pass.
Und der war trotz feinstem Aspahlt nicht Ohne, denn es gab auf knapp 24 Kilometern fast 1200 Hoehenmeter zu bewaeltigen. Wir behielten kuehlen Kopf und wurden auf dem Pass zuerst von einem heftigen Gewitter und anschliessend mit einer grandiosen Aussicht auf den Yamdrok See, wegen seiner Form auch Skorpion See genannt, belohnt.
Am fruehen Morgen erhielten wir unerwartet Besuch und setzten die Fahrt bei zuerst wechelhaftem Wetter dem See entlang fort. Vor dem naechsten Pass, kurz nach Nangartse, trafen wir wieder Tom. Er hatte sich in Lhasa spontan entschlossen, auch aufs Fahrrad zu wechseln. Obwohl er waehrend der gesamten Strecke mit Materialproblemen zu kaempfen hatte, gab er nicht auf und konnte sein Fahrrad sogar in Kathmandu wieder verkaufen. Hut ab!
Auf dem Weg zum Pass genossen wir die Aussicht auf zahlreiche 7000er und einen Gletscher der fast die Strasse beruehrte. Die lange Abfahrt nach dem Pass machte wirklich Spass und so erreichten wir trotz einem weiteren Pass und nach fast 100 Kilometern doch noch Gyantse.
Die Stadt ist beruehmt fuer ihre 9 stoeckige pyramidenfoermige Kunbum Stupa. Der Name Kunmbum bedeuted 100000 Bilder die auf 9 Stockwerken in 75 Kapellen untergebracht sind. Viele der Kapellen und Statuen wurden waehrend der Kulturrevolution zerstoert, der Grossteil wurde aber zwischenzeitlich renoviert. Man erreicht die oberste Plattform mittels spiralenfoermiger Treppe.

Die Strecke von Gyantse nach Shigatse war dank guter Asphaltstrasse und trotz Plattfuss schnell abgespuhlt.
Wir waren sehr beeindruckt, wie hier immer noch mit einfachsten Mitteln die Felder bestellt werden. Immer wieder wurden wir von den hart arbeitenden Feldarbeitern herangewinkt. Haetten wir jeder Einladungg zum Tee und Tsampa angenommen, waeren wir wahrscheinlich noch heute nicht in Kathmandu ;-)
Auf den fruchtbaren Boeden zwischen Lhasa und Lhatse wird fleissig Korn und Gemuese angebaut. Ein krasser Gegensatz zum trockenen und groesstenteils unfruchtbaren Nordwesten Tibets.

In Shigatse trafen wir auch wieder auf Manu die wir bereits in Lhatse kennengelernt hatten. Sie hatte sich spontan entschlossen in Lhasa ein Fahrrad zu kaufen und will von Lhasa nach Chengdu radeln. Auf dieser schoenen und abwechslungsreichen Strecke erwarten sie unzaehlige Paesse. Wir wuenschen ihr nur das beste und auf alle Faelle stramme Wadeln und hoffen sie bald wieder einmal anzutreffen.
In Shigtse war neben Internet und Bankbesuch auch Besichtigungsprogramm angesagt. Das Tashilhunpo Kloster ist der Sitz des Panchen Lama. Unglaublich was fuer ein Prunk hier anzutreffen ist. Ein ziemlicher Gegensatz zu den vielen einfachen Pilgern, die zum Teil von sehr weit her anreisen.
Die Strecke von Shigatse bis Lhatse war nicht allzu spektakulaer, ausserdem kannten wir die Strecke ja bereits vom Hinweg.
Wir verpflegten uns noch einmal in Lhatse und deckten uns mit genuegend Lebensmitteln ein, bevor wir den Anstieg zum Gyatso La Pass in Angriff nahmen.
Intensive Strassenarbeiten erschwerten uns den Aufstieg und wir waren froh nach etlichen anstregenden Schiebepartien endlich den ueber 5000 Meter hohen Pass erreicht zu haben.
Auf dem Weg zum Pass trafen wir auch wieder auf Tom und eine deutsche Radlergruppe, die auch von Lhasa nach Kathmandu unterwegs waren. Nach einer langen Abfahrt auf weiterhin sehr schlechter Strasse erreichten wir erst bei Dunkelheit und ziemlich erschoepft Baipa. Hier trafen wir bereits wieder auf unsere deutschen Radlerkollegen, die vor hatten am darauf folgenden Tag zum Everest Base Camp zu radeln.
Wir wollten eigentlich aus Zeitgruenden direkt Richtung nepalesische Grenze weiterradeln, packten aber die einmalige Gelegenheit beim Schopf und fuhren im Begleitbus ein Stueck bis zum Base Camp mit. So erreichten wir per Anhalter noch am selben Abend das Rongbuk Kloster.
Mangels Schlafplaetzen, naechtigten wir in der Klosterbeiz auf einer Sitzbank und wurden spontan zu einer Geburtstags"party" eingeladen.
Am naechsten Tag ging es zu Fuss zum Mount Everest Base Camp eine nicht allzu anstregende Angelegenheit, die vor allem von bequemeren Chinesen in Pferdewagen zuruecklegt wird. Weil das Mt.Everest Base Camp von chinesicher Seite sehr einfach zugaenglich ist, werden von hier auch sehr viele Expeditionen zum Gipfel unternommen. Auf dem Rueckweg hatten wir auch wieder Glueck und durften uns Christina, Werner und Peter, einem oesterreichischen Reisegrueppchen anschliessen, die im Jeep den Tibet bereisten.
Bei fast wolkenlosem Himmel, hiess es Abschied nehmen, vom hoechsten Berg der Welt. Schade hatten wir nicht mehr Zeit, chinesischer Visapolitik sei Dank :-(

Nach einem Ruhetag in Baipa und einem Ausflug ins symphatische Staedtchen Shelkar wurden wieder die Raeder gesattelt. Auf dem Weg bis zur nepalesischen Grenze stand uns noch ein Doppelpass im Weg. Vorher bestaunten wir aber noch das grandiose Panorama, das sich von Dingri aus anerbot. Diverse 7000er und noch einmal der Mount Everest zeigten sich bei strahlenstem Sonnenschein ;-)
Nach zwei weiteren Uebernachtungen und mit von der Kaelte klahmen Zehen und Fingern, nahmen wir den Weg zum Doppelpass in Angriff. Die Berge waren zum Greifen nahe, aber der "letzte" Pass wollte einfach nicht kommen.
Erschoepft, aber gluecklich erreichten wir schlussendlich den Pass und freuten uns auf die angeblich "laengste" Abfahrt der Welt, die uns von ueber 5000 Meter ueber Meer auf nur noch 600 Meter ueber Meer fuehren sollte.


Dem war leider nicht so und es dauerte noch einige Steigungen und Abfahrten bis wir endlich in die "Tiefe" schiessen konnten. Zudem hattem wir gegen einen aeusserts hartnaeckigem Gegenwing anzukaempfen, der immer am fruehen Nachmittag, wie per Knopfdruck einsetzte. Die letzten Gebetsfahnen kuendigten es bereits an und nach Nyalam ging es dann endlich abwaerts.
Fast 1500 Hoehenmeter in 33 Kilometer. Was fuer eine Abfahrt, wenn nur die Strasse mitgemacht haette. Dafuer entschaedigte eine grandiose Landschaft. Tosende Wasserfaelle und eine ueppig gruene Landschaft. Der Wechsel haette nicht dramatischer sein koennen. Es kam uns vor als tauchten wir in eine voellig neue Welt ein. Alles mit dichtem Gruen ueberwachsen. Man hoerte auf einmal wieder Vogelgezwitscher und ueberall gab es Wasser.
Zuviel fuer unsere Sinne, nach der endlosen und trockenen, aber durchaus faszinierenden Hochebene im Tibet. Die Abfahrt schien kein Ende zu nehmen und erst ein Plattfuss konnte uns aufhalten.
Am spaeten Nachmittag des 3 Oktobers 2005 betraten wir zum ersten Mal nepalesischen Boden und machten nach ein paar kleinen Hindernissen Halt in Tatopani, was uebersetzt heisse Quellen bedeuted. Wir goennten uns eine heisse Dusche bei den Quellen und versuchten den Staub den wir waehrend mehr als 3 Monaten auf den Pisten Tibets aufgesammelt hatten, endlich loszuwerden. Von Totopani nur noch auf 1600 Meter ueber Meer gelegen, ging es noch weiter talwaerts. Wie kamen immer noch nicht zum Staunen heraus und sogen die feuchtwarme Luft foehrmlich auf.
Ueber die unzaehligen Haengebruecken wurden meistens riesige Lasten geschleppt. Die nepalesischen Bergvoelker, vor allem die Sherpas sind bekannt, das sie schwerste Lasten ueber sehr lange Distanzen und zum Teil in riesiger Hoehe schleppen koennen. Meistens handelt es sich dabei um aeltere Menschen, auch Frauen, die nicht selten barfuss diese Arbeit verrichten! Ein Umstand den wir bereits im Tibet vielerorts beobachten konnten. Vor allem Frauen, aber auch zum Teil auch bereits Kinder verrichten koerperlichst schwerste Arbeit zu einem Hungerlohn!
Wir wurden in Nepal durchwegs freundlich empfangen und genossen die Fahrt durch das gruene Paradies. Es hiess kuehlen Kopf bewahren und bald war Dolalghat auf nur noch 600 Meter ueber Meer erreicht. Hier trafen wir Karl, der uns spontan einlud die Nacht bei ihm zu verbringen ;-) Wir verbrachten einen schoenen Abend zusammen und wurden zudem noch mit Schwizer Schoggi verwoehnt :-)) Gestarerkt nahmen wir die letzte Etappe vor Kathmandu in Angriff. "Nur" noch ein Pass, aber nochmals ueber 800 Hoehenmeter! Wir bewaeltigten die Hoehe nach der langen Akklimatisation im Tibet ohne Probleme. Selbst die steilsten Rampen stellten kein Problem dar.
Auch Schlangen konnten uns nicht stoppen und bald war Kathmandu, die Hauptstadt Nepals erreicht.

Wir fanden ein gemuetliches Gasthaus im Thamel Distrikt und trafen auf ein paar Altbekannte :-)))


Dazu aber mehr im naechsten Reisebericht....

 

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