von Varanasi zurück nach Kathmandu (April 2006)


Bereits vor dem Sonnenaufgang packten wir in den engen Gassen von Varanasi unsere Raeder. Wir mussten uns beeilen, den der Bus , der uns nach Sonauli, an die nepalesische Grenze bringen sollte, fuhr bereits um sechs Uhr morgens los.
Fruemorgens ist es selbst in der ansonsten hektischen Stadt Varanasi noch relativ ruhig. Ausser ein paar vereinzelten Wiederkaeuern, kam einem in den verwinkelten Gassen der Altstadt nichts in die Quere. Es ist immer wieder erstaunlich wie frueh die meisten Inder auf den Beinen sind.
Die ersten Teestuben servieren schon Masalacay, einen wuerzigen Milchtee. In der Friteuse brutzlen bereits die ersten Puris, eine Art indische "Fasnachtschuechli", Vadas (Teigringli) und Pakodas (gefuellt mit Gemuese, oder Fleisch). Nicht unbedingt den westlichen Hygienevoschriften entsprechend, dafuer sehr preiswert  und erst noch aeusserst schmackhaft. Wir entscheiden uns immer fuer die von Einheimischen frequentierten Strassen kuechen und sind damit bis auf wenige Ausnahmen meistens gut gefahren. Mit gefuelltem Magen nahmen wir die kurze Strecke bis zum Busbahnhof unter die Raeder. Dabei kamen uns etliche Pilger auf dem Weg zum Fluss Ganges entgegen. Sie alle wollen rechtzeitig zum Sonnenaufagang in die heiligen Fluten eintauchen. Die  Mutter Ganges ist auch zu dieser Jahreszeit am Morgen frueh noch in hartnaeckigen Nebel gehuellt. Dieser verfluechtigt sich erst mit den ersten Sonnenstrahlen.
Mit der Sonne erwacht auch das Leben am Fluss. Neben der eigenen Koerperpflege widmet man sich ausgiebig der Waesche, oder geniesst einfach das langsame Erwachen der Stadt.

Ein Ritual das man in Indien an saemtlichen groesseren Fluessen beobachten kann. Auf dem Busbahnhof herrschte zur fruehen Morgenstunde noch nicht die gewohnte Hektik und so waren die Raeder samt Gepaeck bald auf dem Busdach festgezurrt. Im letzten Jahr hatten wir fuer diesselbe Strecke mit dem Rad fuenf Tage benoetigt. Mit dem Bus war der "Spuk" in umgekehrter Richtung bereits nach knapp 10 Stunden vorueber. Wir wollten nicht noch einmal die ueber 400 Kilometer in zumeist eintoeniger Landschaft abstrampeln. Zudem war unser Indienvisa nur noch fuer wenige Tage gueltig.
Die Grenzformalitaten nahmen auf indischer Seite nur wenig Zeit in Anspruch. Auf der nepalesischen Seite dauerte es ein bisschen laenger. Wir erwischten die Beamten gerade beim Essen und einer Flasche Bier ;-) Unsere Frage ob wegen dem anhaltenden Streik in Nepal Schwierigkeiten zu erwarten seien, wurde ueberhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ihr lakonischer Kommentar: „Alle Strassen sind frei und mit dem Fahrrad ist es ueberhaupt kein Problem!“ Sie wuenschten uns noch einen angenehmen Aufenthalt in Nepal und schon rollten wir wieder auf nepalesichen Strassen.

Es fuhren ueberhaupt keine Busse, Lastwagen oder sonstige mit Kraftstoffen betriebenen Fahrzeuge. Die Ausnahme bildeten Wagen der Ambulanz. Wir fuehlten uns wie kleine "Koenige" und hatten die Strasse quasi fuer uns alleine. Der Generalstreik hatte fast das saemtliche Leben in Nepal lahmgelegt. Neben den auffallend vielen Fussgaengern erlebten vor allem die Fahrradrickschas Hochkonjunktur. Sie machten waehrend des Streiks das Geschaeft ihres Lebens und flitzten mit ihren vollbeladenen Gefaehrten an uns vorbei, als waere es der letzte Streiktag.
So muss es sich hier vor noch nicht allzu langer Zeit auf ungeteerten Strassen zugetragen haben, als die Transportwege noch nicht von dieselqualmenden Ungetuemen beherrscht wurden. Das ganze erinnerte uns irgendwie an die autofreien Sonntage in der Schweiz. Die negativen Ausmasse des Streiks bekamen wir erst am Abend zu spueren. Zum Glueck nahmen die Hotels noch Gaeste auf, aber bereits die Nahrungsbeschaffung gestaltete sich entschieden schwieriger. Bis wir etwas in den Magen bekamen, hatte schon die Ausgangssperre, die vor allem in Staedten angeordnet wurde, eingesetzt. Auf dem kurrzen Rueckweg vom Restaurant zum Hotel wurden wir von starken Scheinwerfern angestrahlt. Sie gehoerten zur extrem verbarrikadierten lokalen Polizeistation. Obwohl wir problemlos passieren durften, waren wir gewarnt. Der Streik dauerte schlussendlich lange 19 Tage. Die Leidtragenden waren vor allem das "gemeine" Volk in den Staedten, die zumeist keine Seblbstversorger sind und auf das Angebot in den Laeden, oder dem lokalen Markt angewiesen sind.

Menschen und Ware konnten nur noch zu Fuss, mit dem Zwei- oder Dreirad transportiert werden Es war erstaunlich zu sehen, wieviel Gewicht auf ein Dreirad geladen werden
kann.
Und das in meist sehr huegeligem Gelaende! Viele Nepalesi hatten sich kurzfristig ein Fahrrad angeschafft um wenigstens in die naechste Ortschaft zu gelangen. Wir radelten zuerst nur bis Lumbini und wollten erst einmal abwarten, wie sich die Lage im streikgeplagten Land entwickelt. Der bekannte Pilgerort, nicht weit von der indischen Grenze entfernt, war der ideale Platz zum Abwarten und Ausspannen. Der Geburtsort Buddhas ist eine Oase des Friedens, zumindest die Umgebung rund um den ganzen Klosterkomplex. Wir nisteten uns wie die meisten gestrandeten Touristen im koreanischen Buddistenkoster ein. Das noch im Bau befindliche Kloster beherbergt neben praktizierenden Moenchen auch Andersglaeubige. In der Kantine werden alle Gaeste kostenlos verpflegt. Eine kleine Spende ist erwuenscht, ist aber nicht Voraussetzung fuer einen Aufenthalt :-)) Wir wussten das wirklich zu schaetzen, den waehrend dem Streik blieben die meisten Laeden und Restaurants geschlossen. Wir fuehlten uns trotz der angespannten Lage im Land sehr wohl und verbrachten fast eine ganze Woche in Lumbini. Wir spuhlten per Rad im weitlaeufigen Klosterkomplex etliche Kilometer ab und besuchten diverse Kloster, wobei sich die meisten noch in der Bauphase befinden. Viele Laender mit vorwiegend buddistischer Bevoelkerung, wie zum Beispiel Burma, Vietnam, Korea u.s.w sind hier mit einem eigenen Projekt
vertreten. Vieles befindet sich noch im Aufbau. So auch der koreanische Komplex, an dem schon ueber 11 Jahre gebaut wird. Es soll noch mindestens 4 Jahre dauern, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind.
Fuer westliche Verhaeltnisse eine lange Zeit, hier aber an der Tagesordnung. Die sehr aufwendigen Bauvorhaben werden groesstenteils von Hand und ohne technische Hilfmittel wie Kranen oder Bagger erstellt. Zudem werden die Projekte vor allem mit Geldern aus der "Heimat" finanziert und diese Quellen fuehren nicht immer Hochwasser! Auf unseren zahlreichen Erkundungstouren lernten wir auch Heinz kennen. Er betreut ein kleineres Projekt, das vorwiegend mit Geldern aus der Schweiz und Oesterreich finanziert wird. Uns beeindruckte neben der Gastfreundlichkeit, vor allem seine offene Art. Ein aufgestellter Schweizer Moench der sich nicht nur auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften auskennt und die nicht immer einfachen Umstaende in Nepal sehr realistisch einschaetzen kann.
Den neben finanziellen Mitteln und Fachwissen ist hier vor allem viel Geduld erforderlich. Bei Tee, feinen Guetzli und echter Schweizer Schoggi erzaehlte er uns viel ueber seine bewegte Zeit in Lumbini. Auf alle Faelle garantieren die diversen Bauprojekte der hiesigen Bevoelkerung einige Arbeitsplaetze.
Zusaetzliches Geld das die vorwiegend sehr arme Landbevoelkerung sicher gut gebrauchen kann.
Viel Zeit verbrachten wir in einer kleinen Teestube, im Schatten grosser Baeume. Ein wirklich gemuetliches Plaetzchen, unweit vom Geburtsplatz Buddas.
Geburt und Leben von Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama) Link auf Wikipeda Auszug "Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama)" ein Auszug aus der Quelle www.wikipedia.org >> siehe Anhang
Maya Devi, die Mutter Siddhartas Gautama, gebar hier ihren Sohn der im Bemühen um Erlösung 528 v Chr. in seinem 35. Lebensjahr und nach 49 Tagen Meditation unter einem Bodhibaum, die vollkommene Erleuchtung erlangte. Es ranken viele Legenden um diesen Ort und erst dank der eindeutigen Inschriften auf der Asokan Saeule wird der Geburtsort Buddas auch weltweit als solcher akzeptiert.
Hier wurden wir vom bereits 78 jaehrigen buddistischen Moench Vimalananda zu Tee und Keksen eingeladen, wobei er uns ein wenig aus seinem langen und bewegten Leben erzaehlte.
Weil er unbedingt, aber gegen den Willen seines Vaters, die buddistischen Lehren studieren und Moench werden wollte, verliess er bereits im zarten Alter von 16 Jahren sein Elternhaus und begab sich auf eine lange Pilgerreise. Diese fuehrte ihn von den Auslaeufern des Himalaya in Nepal, hinunter in die heisse Ebene
Indiens. Auf seinem Weg Richtung Sueden, stattete er  fuer Buddisten bedeutenden Pilgerplaetze einen Besuch ab. Er legte die gesamte Strecke zu Fuss zurueck und erreichte nach langer Reise Sri Lanka, wo er nach intensivem Studium endlich Moench wurde. Erst 20 Jahre spaeter und auf dringlichen Wunsch seiner
Eltern kehrte er wieder nach Nepal zurueck. Er lebt weiterhin ein auesserst bescheidenes Leben und gibt sein Wissen und seinen grossen Erfahrungsschatz an die juengere Generation weiter. Durch ihn lernten wir auch Biraj kennen, der versucht ein eigenes Projekt aufzuziehen. Er will ein ziemlich verwahrlostes Stueck Land bewirtschaften, so dass es moeglich waere, darauf Gemuese und Getreide anzubauen. Das Problem der Grundversorgung waere damit geloest und ein moeglicher Ueberschuss koennte sogar auf dem lokalen Markt verkauft werden. Auf dem Gelaende befindet sich bereits ein kleines Kloster und ein einfaches Hospital. Im diesem werden Leute betreut die sich keine teure Behandlung bei einem privaten Arzt in der Stadt leisten koennen. Auf dem Gelaende gibt es auch Unterkunftsmoeglicheiten, die vor allem von Moenchen und Pilgern genutzt werden. Es braucht noch einiges an Arbeit und neben freiwilligen Helfern auch Gelder damit dem Projekt Erfolg bescheiden ist.
Waehrend unseres Aufanthaltes in Lumbini lernten wir auch die beiden Motorradfahrer Klaudia&Manfred kennen. Sie wurden auf dem Weg nach Pokhara von Strassenblockaden an der Weiterreise gehindert. Es wurden am Anfang des Streiks eigens Baueme gefaellt und grosse Steinpyramiden errichtet, damit Motorfahrzeuge nicht passieren konnten.
Dazu waren saemtliche Tankstellen geschlossen. Angesichts der Ungewissheit, wie lange der Streik noch anhalten wird, konnten sie sich auch mit der Idee anfreunden per Fahrrad nach Kathmandu zu radeln. Die Suche nach einem geeigneten Untersatz entpuppte sich aber bedeutend aufwendiger als erwartet. Und wer will in Zeiten, in denen ausser Ambulanz- und Pressefahrzeugen absolut keine Motorfahrzeuge auf den Strassen geduldet werden, freiwillig auf seinen Drahtesel verzichten!? Dank dem grosszuegigen Angebot vom koreanischen Moench,
der prompt zwei Fahrraeder von ueberraschend guter Qualitaet zur Verfuegung stellte, stand dem Abenteuer aber nichts mehr im Wege :-)
Ein unerwartetes SMS an Klaudia verzoegerte dann doch noch im letzten Moment die Abfahrt der Neoprofis.....
Nachdem wir uns bei allen verabschiedet hatten, radelten wir erst am spaeten Morgen von Lumbini los. Wir konnten fuer einmal die ganze Fahrstreifenbreite nutzen und genossen die frische, unverpestete Luft. Kurz vor Butwal wurden wir von Einheimischen aufgefordert anzuhalten. Welch angenehme Unterbrechung! Die Dorfgemeinschaft hatte spontan eine Kueche am Strassenrand eingerichtet.
Hier wurden ausnahmslos alle Reisenden kostenlos mit Wasser und Dal Bhat verkoestigt. Wir kamen auf dem Weg in die Hauptstadt mehrmals in den Genuss solcher Staerkungen und waren tief beeindruckt von der Solidaritaet innerhalb der Bevoelkerung. Dabei versuchten uns die Leute immer wieder die politische Lage zu erklaeren und nicht selten entschuldigten sie sich bei uns fuer all die Unanehmlichkeiten, die durch den Streik fuer uns Touristen entstanden seien....
Man muss sich das einmal bei uns vorstellen !!
Bereits am zweiten Tag gab es eine groessere Steigung zu bewaeltigen.
Vor fast ein halbes Jahr hatten wir den Huegel bereits in entgegengesetzter Richtung erklommen. Damals in Begleitung dieselqualmender Lastwagen und Busse.
Jetzt krochen keine ueberfuellten Ungetueme die Strasse hoch, stattdesen erlebten wir jetzt die reinste Voelkerwanderung. Die Mittagshitze zollte ihren Tribut und machte durstig. So wurden bei jeder Wasserstelle die leeren Wasserflaschen aufgefuellt. Es war schon erstaunlich, was so alles den Hang heraufgeschwitzt wurde. Wegen meist ungenugenden Bremsen konnten die meisten Verkehrsteilnehmer die rasante Abfahrt nicht geniessen und schoben das Rad auch den Berg hinunter.

Am spaeteren Nachmittag zogen bedrohlich schwarze Wolken auf und prompt fing es an zu troepfeln. Wir waren nach ueber 70 Kilometer in zumeist sengender Sonne schon ziemlich geschafft und traeumten nur noch von einer warmen Mahlzeit und einem bequemen Nachtlager. Unser "Gebet" wurde prompt erhoehrt und so wurden wir im naechsten kleinen Dorf, wo wir uns nach einem einfachen Hotel erkundigten, spontan von einer vorwitzigen jungen Dame zu ihrer Familie nach Hause eingeladen. Das aufgeweckte junge "Fraeulein" organisierte alles und schon bald hatten wir unser Nachtquartier bezogen. Nach einem kleinen Spaziergang durch das Dorf, wurden wir umgehend in die Kueche zitiert. Es gab kein Entrinnen ;-)
Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht, eine Kombination von Linsen, gargekochtem lokalem Gemuese und Reis, ist die Leibspeise fast aller Nepalesen. Die schmackhafte und nahrhafte Mahlzeit wird auf dem Land morgens, mittags und abends serviert. Bei der Familie, an "Mamas" Herd schmeckt es natuerlich am Besten, den hier kommt alles frisch aus dem eigenen Garten. Die Familie ist sich den Umgang mit Westlern gewohnt, denn nicht selten beherbergen sie auslaendische Lehrer. Diese bleiben bis zu 3 Monaten im Dorf und unterrichten Englisch. So ist hier sogar eine kleine gut bestueckte Bibliothek entstanden. Die Tochter und ihre zwei Brueder sprechen sehr gut Englisch, was sonst in kleinen Doerfern eher selten der Fall ist. Wir genossen den Abend und fuehrten interessante Gespraeche. Neben diversen Fotoalben bekamen wir auch noch eine umfangreiche Briefmarkensammlung zu Gesicht. Da kamen doch wirklich Jugenderinnerungen hoch ;-)
Am naechsten Morgen standen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf und sassen schon bald wieder auf den Raedern. Wir mussten nur schmunzeln und staunten ueber die Gastfreundschaft, die uns auch nach 2 Jahren Radreise noch immer tief beeindruckt!
In Sachen Streik war noch kein Ende in Sicht. Die ueberwiegende Mehrheit der nepalesischen Beveolkerung wollte die Sache bis zum "Ende" durchziehen. Sie wollten, das der Koenig endlich seine uneingeschraenkten Machtbefugnisse abgeben wuerde und sich wieder eine demokratische Regierung etablieren konnte.
Er hatte vor knapp 2 Jahren die Macht an sich gerissen und den amtierenden Premierminister vom Amt enthoben.
Von der Demokratie zur Autokratie! Nicht gerade nach dem Geschmack des Volkes und wofuer sie jahrzehntelang gekaempft hatten. Dem Koenig kann aber nicht allein die ganze Schuld der Misere in die Schuhe geschoben werden. Die regierenden Parteien glaenzten vor allem durch Korruption und liessen nichts unversucht, vor allem den eigenen Geldbeutel zu fuellen. Leider ein weltweit verbreitetes Uebel :-(( und auch einer der Beweggruende, wieso die Maoisten zu den Waffen griffen und der korrupten Regierung inklusive dem Koenig, den bewaffneten Kampf ansagten. "Unterstuezung" erhalten die Maoisten vor allem auf dem Land, wo die Auswirkungen der Korruption noch staerker zu spueren sind. Vielmals bleibt der zumeist armen Landbevoelkerung auch nichts anderes uebrig, als mit den jeweils "Herrschenden" zu kollaborieren. Dabei geraet die Bevoelkerung nicht selten zwischen die kaempfenden Fronten.
Auf unserem Weg in die nepalesische Hauptstadt begegneten wir immer wieder grossen Gruppen, die mit roten Fahnen und Megaphonen bewaffnet, auf dem Weg Richtung Bezirkshauptsatdt waren. Nicht selten waren an vordester Front Frauen anzutreffen, die in lauten Sprechchoeren, den Koenig und seine Familie in die "Wueste" schickten.
Trotz grosser Militaer- und Polizeipraesenz kam es "nur" selten zu offenen Konfrontationen zwischen den "Unsicherheits"kraeften (Zitat Markus Schnizler) und den Demonstranten. Diese vereinzelten Uebergriffe der koenigstreuen Truppen kostete aber inoffiziell ueber 20 Menschen das Leben. Ein sehr hoher Preis fuer ein Grundrecht eines jeden Menschen.
Nach Hetauda verliessen wir endgueltig das Teari. In der nepalesischen Tiefebene, wird vorwiegend Landwirtschaft betrieben. Viele Leute aus den Bergen sind hierher gezogen, weil das Land hier einfacher zu bewirtschaften und auch noch mehr Platz vorhanden ist. Nicht wenige bestreiten ihren harten Alltag in sehr einfachen Verhaeltnissen. Es gibt immer noch viele kleine Doerfer ohne Strom und anderen Annehmlichkeiten.
Hier herrscht ein bunter Mix von Menschen und neben Nepalesen haben sich im Terai auch viele Exiltibeter und Inder niedergelassen.
Zum Glueck waren wir in Hetauda bereits so frueh gestartet, den nach einer kurzen Einrollphase ging es nur noch bergauf und bis yum Eindunkeln hatten wir fast 60 Kilometer abgespuhlt! Die Passhoehe erreichten wir nach 54 Kilometer auf nicht ganz 2500 Meter ueber Meer. Gestartet waren wir auf knapp 500 Meter ueber Meer. Dazwischen gab es noch kleine Abfahrten und so kamen bis am Abend ueber 2200 Hoehenmeter zusammen. Dafuer brauchten wir den ganzen Tag und obwohl wir fast keine Moeglichkeit ausliessen uns zu vepflegen, hatten wir am Abend einen Riesenhunger. Waehrend einer Trinkpause bemerkte Moni ploetzlich ein leises Winseln. Es kam aus der Richtung Strassengraben. Da bewegte sich doch was... und tatsaechlich unter einer lockeren Schicht von Blaettern und Abfall kam ein Hundebaby zum Vorschein!
Es konnte noch kaum auf den eigenen Beinen stehen, war voellig ausgehungert und sehr durstig. Bereits nach wenigen Schluecken Wasser und ein paar Bissen in Form von in Wasser aufgeloesten Keksen, schien es ihm wieder ein bisschen besser zu gehen. Wir beschlossen ihn mitzunehmen und im naechsten Dorf abzugeben. Der kleine Pfundskerl passte gerade in Moni's Lenkertasche.
Er verschlief allerdings den Grossteil der Reise und erst in der holprigen Abfahrt Richtung Daman machte er sich durch leichtes Knurren bemerkbar. In Daman, einem bekannten Ausflugsort, unweit von Kathmandu fanden wir schnell eine billige Bleibe. Es war bereits am Eindunkeln und nachdem die Sonne untergegangen war, konnte man durchaus einen Pullover und Jacke vertragen.
Waehrend sich unser Freund "Knurrli" mit ein paar aufgeweichten Keksen begnuegen musste, langten wir beim Abendessen kraeftig zu und liessen uns mehr als einmal nachschoepfen. Der Aufstieg hatte viel Energie gekostet und es waren noch immer ueber 80 Kilometer bis Kathmandu! Knurrli war schon frueh wach und wie wir bereits wieder hungrig. Obwohl er uns bereits ans Herz gewachsen war, hatten wir bereits am Vorabend entschieden Knurrli der Gastfamilie anzuvertrauen. Sie hatte bei uns einen guten Eindruck hinterlassen und schloss Knurrli bei der Uebergabe auch sofort ins Herz. Schnell war eine Kiste mit Stroh organisiert und Knurrli wurde umgehend mit Reis und Milch gefuettert. Wir hoffen, das wir uns in der Familie nicht getaeuscht haben und denken das Knurrli bei ihnen sicher gut aufgehoben ist. Ein letztes mal Winken und schon flizten wir den Berg hinunter, wenigsten die ersten 12 Kilometer. Auf der folgenden Hochebene, etwa 1800 Meter ueber Meer gelegen, werden vor allem Kartoffeln, Mais und Zwiebeln angebaut. Nach einem leichten Aufstieg, begann dann erst die eigentliche Abfahrt, die nach ueber 30 Kilometern in Naubise, auf nur noch 1000 Metern ueber Meer gelegen, endete. Hier hatten wir vor nicht ganz 5 Monaten unseren geplanten Aufstieg nach Daman bereits nach wenigen Kilometern abgebrochen. Probleme an Moni's Wechsler zwangen uns damals zur Umkehr nach Kathmandu. Der Streik war nach 19 Tagen am Vortag zu Ende gegangen und so bot sich auf den Strassen wieder das gewohnte Bild. Wir waren einen Tag zu "spaet" und so muehten wir uns hinter qualmenden Dieseltrucks ein "letztes" Mal den Berg hinauf. Immerhin nochmals 600 Hoehenmetern. Zu den Abgasen gesellte sich auch die Hitze. Wahrlich keine ideale Kombination :-( Der Verkehr wurde immer dichter und zum Finale, unweit von Thamel wurden wir auch noch von heftigem Regenfall eingedeckt. Zum Glueck kannten wir den Weg und bald hatten wir das Cherry Gasthaus erreicht. Am Abend bekamen wir bereits den ersten Besuch.
Klaudia&Manfred, obwohl ein Tag spaeter als wir in Lumbini losgestrampelt, hatten Kathmandu bereits am Vortag erreicht. Des Raetsels Loesung. Sie radelten "nur" bis Muggling und verluden danach die Raeder auf einen Kleinbus, der sie direkt bis ins Zentrum von Kathmandu brachte. Trotzdem eine grosse Leistung!
Als Neo"profis" und dazu mit viel Gepaeck, hielten sie ueber 3 Tage durch und stiegen erst knapp vor Kathmandu auf einen Bus um. Zudem muss man bei den schweren indischen Eingaenger (Marke Hero) schon beim kleinsten Hupel (Huegel) vom Rad steigen. Dann hilft nur noch schieben und das zehrt doch ziemlich an der Substanz! Das freudige Ereigniss musste natuerlich gebuehrend gefeiert werden. Bei einer leckeren Pizza und einem Bier in Sam's Bar liessen wir den Abend noch gemuetlich ausklingen.
Wir suchten bereits am naechsten Tag die indische Botschaft auf. Obwohl wir bereits kurz nach 6 Uhr morgens vor dem Eingansportal erschienen, waren wir nicht die Ersten! Auf der Liste durften wir uns als Nummer sechs und sieben eintragen. Damit konnten wir uns reele Chancen ausrechnen, noch am gleichen Tag bis zum Schalter vorzudringen um die heiss begehrten Applikationsformulare zu ergattern. Es verlief alles einfacher als befuerchtet und bereits Anfangs Mai klebte erneut ein 6 Monate Visa fuer Indien im Pass. In der Zwischenzeit hatten wir bereits einen neuen Kocher angeschafft. Natuerlich nicht bevor wir nahezu jedes Outdoorgeschaeft (und glaubt uns, es gibt einige in Kathmandu...) abgeklappert und alle Preise verglichen hatten. Im Radlergeschaeft von Sonam erstanden wir noch zwei neue Fahrradketten und einen gebrauchten Halter fuer Moni's Kilometerzaehler. Hoffentlich haelt er diesmal laenger! Zwischendurch waren wir noch zweimal auf der Post. Immer wieder ein Abenteuer der besonderen Art und nichts fuer ungeduldige Gemueter. Zum Glueck gibt es diverse German Bakerys, der richtige Aufsteller nach einem aufwendigen Behoerdengang ;-) Es gibt auch weniger Erfreuliches aus Kathmandu zu berichten. Bei einer unserer regelmaessigen Routineuntersuchungen beim Arzt wurden bei Moni Amoeben diagnostiziert. Gegen die Parasiten wurden ihr wieder einmal Antibiotika
verschrieben. Sie fuehlt sich aber schon bedeutend besser und so stand einer Weiterfahrt nichts mehr im Wege. In Kathmandu trafen wir auch wieder einen guten Radlerkollegen. Markus hatten wir bereits im Iran kennengelernt und seither waren wir immer in Mailkontakt geblieben. Es war bereits sein zweiter Besuch in Nepal und sein erklaertes Ziel der Reise.
Er ist einer der selbstlosen Menschen, die auch bereit sind einmal etwas zu geben. So unterrichtet er bereits seit fast 2 Monaten an einer Privatschule unweit von Dulikel in verschiedenen Faechern. Wegen dem Streik trafen wir uns leider erst kurz vor unserer Weiterfahrt. Es waere sicher interessant gewesen ein paar Tage an der Schule zu verbringen und eventuell einmal zu unterrichten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und wir haben uns fest vorgenommen, das spaeter einmal nachzuholen. Es gibt diverse Hilfsprojekte in Asien und unzaehlige NGO's (Non Goverment Organisations) in Nepal, die sich vor allem um das Wohlwollen der weniger Priviligierten engagieren. Trotzdem ist uns vor allem beim zweiten Besuch in Kathmandu aufgefallen, das bedeutend mehr Kinder auf der Strasse leben. Nicht selten sieht man sie am Morgen frueh in den Abfallbergen wuehlen. Nicht wenige von ihnen sind an Tuberkulose erkrankt. Sie erinnern einen jeden Tag, wie priviligiert wir doch in der beschaulichen Schweiz eigentlich sind!
Anhang
Link zu Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama) Die genauen Lebensdaten Siddhartha Gautamas sind umstritten. Traditionell wird seine Geburt auf den Mai 563 v. Chr. und sein Tod, der Eingang in das Parinirvana, mit Mai/April 483 v. Chr. angegeben. Neueren Forschungen zu Folge lebte er von ca. 450 bis ca. 370 v. Chr. Er lebte in Nordindien. Sein Vater war Oberhaupt einer der regierenden Familien in der kleinen Adelsrepublik der
Shakyas, im heutigen indisch-nepalischen Grenzgebiet. Hinweise auf den Königsstand Suddhodanas, Buddhas Vaters, sowie den Prunk und die Zeremonien an dessen Hof, wie man ihnen besonders in späteren Texten begegnet, sind höchstwahrscheinlich Übertreibungen. Seine Mutter hieß Maya. Sie nannten ihren Sohn (in Pali) Siddhattha (Sanskrit: Siddhartha), was „der sein Ziel erreicht hat“ bedeutet. Der Beiname Shakyamuni bezieht sich auf seine Herkunft und bedeutet „der Weise aus dem Geschlecht von Shakya“. Nach der Geburt Siddhartas
wurde vorausgesagt, dass er entweder ein Weltenherrscher oder aber, wenn er das Leid der Welt erkennt, jemand werden würde, der erleuchtete Weisheit in die Welt bringt. Er lebte in einem Palast wo ihm alles, was zum Wohlleben gehörte, zur Verfügung stand und wo er nach der Überlieferung von allem weltlichen Leid abgeschirmt wurde. Sein Vater, der Fürst Suddhodana, sah in seinem Sohn den idealen Nachfolger und wollte verhindern, dass Prinz Siddharta sich von seinem Reich abwendete. Daher wurde ihm nur selten gestattet, den königlichen Palast zu verlassen und wenn, wurden die Straßen zuvor von Alten, Kranken und Sterbenden gesäubert. Siddharta wurde von der Indischen Gottheit Bharma drauf hingewiesen, dass er in seinem letzten Leben versprach sein nächstes Leben zu nutzen um die Menschheit vom Leid zu befreien. Eines Tages sah er sich aber
doch der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenübergestellt und erkannte eine Sinnlosigkeit in seinem bisherigem Leben, die Legende berichtet von Begegnungen mit einem Greis, einem Fieberkranken, einem verwesenden Leichnam und schließlich einem Mönch, woraufhin er beschloss nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen. (Allerdings ist es bei der "Biographie" des Buddha sehr schwierig, Legenden von Fakten zu trennen). 534 v. Chr. mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula ("Fessel"), verließ er sein Kind, seine Frau Yasodhara und seine Heimat und wurde, auf der Suche nach dieser Erlösung, ein Asket. Sechs Jahre lang wanderte der Asket Gotama durch das Tal des Ganges, traf berühmte religiöse Lehrer,
studierte und folgte ihren Systemen und Methoden und unterwarf sich selbst strengen asketischen Übungen. Da ihn all dies seinen Zielen nicht näher brachte, gab er die überlieferten Religionen und ihre Methoden auf, suchte
seinen eigenen Weg und übte sich dabei vor allem in der Meditation. Er nannte dies den „Mittleren Weg“, weil er die Extreme anderer religiöser Lehren meidet.
In diesem Bemühen um Erlösung erreichte Gotama 528 v Chr. in seinem 35. Lebensjahr die vollkommene Erleuchtung (Bodhi), nach der er als der Buddha - der Erleuchtete, bekannt wurde. Das geschah am Ufer des Neranjara-Flusses bei Gaya (nahe Bodhgaya im heutigen Bihar) unter einer Pappelfeige, die heute als Bodhi-Baum, "Baum der Weisheit", verehrt wird. Zitat: 'Möge meine Haut schrumpfen und meine Hand verdorren, mögen meine Gebeine sich auflösen - solange ich nicht die letzte Erkenntnis gefunden habe, werde ich mich nicht von der Stelle rühren' daraufhin fällt er unter dem Baum liegend in eine ekstatische Ohnmacht.
Ein Ableger eben jenes Feigenbaumes wurde auf Ceylon eingepflanzt, während der indische Baum verdorrte. Von dort wurde später wiederum ein Ableger entnommen und an die ursprüngliche Stelle in Indien (nahe des 1931 ausgegrabenen Tempelbezirkes von Sarnath) gepflanzt. Nach seiner Erleuchtung hielt Gotama, der Buddha, im Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath) nahe Benares vor einer Gruppe von fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede. Diese fünf wurden damit die ersten Mönche der buddhistischen Mönchsgemeinschaft (Sangha). Von jenem Tage an lehrte und sprach er 45 Jahre lang vor Männern und Frauen aller Volksschichten, vor Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern. Die bis heute in Indien bestehenden Unterscheidungen durch die Kastenordnung und die Verschiedenheiten der sozialen Gruppierungen erkannte er nicht an. Der Weg, den er lehrte, stand allen Männern und Frauen offen wenn sie dazu bereit waren ihn zu verstehen und zu gehen.
Im Alter von 80 Jahren verstarb Gotama der Legende nach in Kusinara (im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh) an Ruhr nachdem er ein verdorbenes Gericht verzehrt hatte. Seine Weisheiten wurden ca. 200-300 Jahre nach seinem Tod von seinen Jüngern mündlich weitergegeben und dann aufgezeichnet weshalb es keine ,,Bibel sondern nur ,,Sutren (Buddhas Lehren die auf Schriftrollen stehen) gibt, die aber heutzutage in Bücher zusammengefasst sind.

weiterer Link zu Lumbini Monasterycomplex
http://www.lumbiniinteractive.org.np

 

top

zurück../..Home