Kambodscha Teil 2 Maerz 2007


Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Phnom Pehn gab es noch Hotpot, denn man kommt ja sonst nie zum Schwitzen ;-)
Die Fahrt fruemorgens aus der Stadt war im Vergleich zur „rush hour“ in Bangkok ein Kinderspiel und auf der den Tonle Sap ueberspannenden Bruecke warfen wir noch einmal einen Blick zurueck auf die Hauptstadt Kambodschas.
Wir hatten uns in hier ein paar Tage Ruhe gegoennt und waren jetzt dafuer umso motivierter wieder „on the road“ zu sein. In Skone, unserem ersten Zwischenstop auf dem Weg zur kambodschanisch-laotischen Grenze wollte ich mir eigentlich eine paar gerosteten Taranteln (die lokale Spezialtaet in dieser Region) goennen, aber kaum hatte ich unser Guesthouse verlassen, passierte am Kreisel das Unglueck!
Ein altertheumlicher Laster „ueber“laden mit Holz, hatte sich auf die Seite gelegt....
Herrje, die minutioes aufgeschichteten Scheiter waren innert Sekunden ueber die halbe Kreuzung verteilt.

Ein nicht alltaegliches Ereigniss und schon bald war das halbe Dorf um den gekippten Laster versammelt. Mit ihnen „leider“ auch alle SpinnenverkaueferInnen. Vielleicht klappt es ja beim naechsten Besuch ;-)

Neben Spinnen, gehoeren auf jeden besseren Markt auch jegliche Arten von Kaefern und die in Einmachglaeser eingelegten Tausendfuessler und Kobras muessen wir erst gar nicht erwaehnen.
Mangels Kuehlschraenken wird hier noch vorwiegend mit Eis gekuehlt. Die zum Teil riesigen Eisbloecke, werden schon fruehmorgens angschleppt und dann erst vor Ort mittels Handsaege in kleinere Eineiten zerkleinert.

In den kleinen Doerfern gibt es noch selten Elektrizitaet und auch meistens kein fliessend Wasser, das nicht selten von weit her gebracht werden muss. Wenn nicht zu Fuss, kommen noch vielmals Schub- oder Ochsenkaren zum Einsatz. Fuer das Wasserschleppen werden jeweils schon die Kleinsten eingespannt. Obwohl Stromleitungen Mangelware sind, steht in fast jeder Huette und ist sie noch so klein, eine „Kiste“. Die flimmert pauselos, oder zumindest solange bis die Batterien leer sind.
Der Ochsenkarren gehoert auch auf groesseren Strassen noch lange nicht der Vergangenheit an!
Kambodscha ist immer noch ein Fahrradland und ausserhalb Pnohm Pehns das dominierende Verkehrsmittel.
Das ist aber nicht unbedingt dem ausgepraegten Umweltbewusstsein der einheimischen Bevoelkerung zuzuschreiben, sonder hat schlicht damit zu tun, das ein Motorrad fuer den Grossteil der Kambodschaner immer noch nicht erschwinglich ist.
Es wurde auch wieder fleissig geheiratet. An so einer Hochzeit wechselt die Braut mindestens sechsmal ihr Kleid. Die Hochzeits-Prozession nimmt nicht selten fast die ganze Strasse in Beschlag, obwohl das Brautpaar in den meisten Faellen nur die wenigsten der geladenen Geaste kennt.

In Kambodscha wurden in den letzten Jahren etliche neue Strassen und Bruecken erstellt. Die Mehzahl wurde mit auslaendischem Geld finanziert. Das Land ist immer noch auf internationale Entwicklungshilfe angewiesen, aber wie so oft versickert auch hier ein grosses Stueck des Kuchens im undurchsichtigen Dschungel der Korruption!

Am besten hat uns aber die in 100% Handarbeit erstellte Bambussbruecke in Kompong Cham gefallen. Wer einen entsrechenden Brueckenzoll entrichtet, gelangt ueber die ueberraschend stabile Bamuskonstruktion auf die 10 km lange Mekonginsel Koh Pbain.

Auf der Insel wird neben Erdnuessen und Sesam, vor allem Tabak angebaut. Auf der Insel befinden sich etliche Cham Doerfer. Die Cham stellen mit einer Anzahl von etwa 200000 die groesste ethnische Minderheit in Kambodscha und haben im 14ten Jahrhundert vom Hinduismus zum Islam konvertiert. Der Grossteil der Cham Maenner leben immer noch vom Fischfang, waehrend die Frauen in der Trockenzeit vor allem als Weberinnen arbeiten, oder die frisch geernteten Tabakblaetter fuer den Trocknungsprozess vorbereiten.
Wir verliessen die Hauptstrasse Nr.7 und folgten kleineren Strassen, die nicht selten direkt dem Mekong entlangfuehrten.
Das hiess noch weniger Verkehr, viel Dorfleben, bezaubernde Landschaft und vor allem noch mehr Staub...hust, hust!
Die Menschen waren sehr freundlich und nicht der einzige Farbtuper auf dem Weg Richtung Kratie.
Der Regen vom Vorabend hatte zwar die lang ersehnte Abkuehlung gebracht, aber die Staubpisten in schmierige Rutschbahnen verwandelt. Die Raeder blockierten schon nach kuerzester Zeit und selbst das schieben wurde zum Balanceakt.
Spaeter setzte wieder Regen ein und so entschieden wir uns, ganz zum Gaudi der einheimischen Bevoelkerung, die sich dieses Spektakel natuerlich nicht entgehen liess, unsere verdreckten Raeder fuer den prekaersten Abschnitt auf einen Ochsenkarren zu verladen. Wir waren in guter Gesellschaft und die Ochsenkarren-Besitzer freuten sich :-)
Die Fahrt war leider viel zu kurz und schon bald radelten wir auf nicht erheblich besserer Piste weiter. In Kratie war dann zuerst einmal eine Generalreinigung von Mensch und Maschine angesagt ;-)
Bevor wir den letzten Abschnitt in Richtung kambodschanisch-laotischen Grenze in Angriff nahmen, deckten wir uns nochmals mit genuegend Essensvorraeten ein.

Wir hatten Glueck, den die gefuerchtete Staubpiste bis zur Grenze gehoert der Vergangenheit an. Es liegt zwar noch sehr viel Rollsplit auf der Strasse, aber die knapp 150Km von Kratie bis Stung Treng koennen so problemlos in 2 Tagen abgespuhlt werden. Wir machten Halt in O Krieng, einem kleinen Nest, etwa auf halber Strecke gelegen. Wir fragten im lokalen Spital nach, wo wir unser Nachtlager aufschlagen koennten. Der sehr kommunikative Arzt antwortete zu unserer Ueberraschung in perfektem franzoesisch. Zum Glueck hatten wir im franzoesisch Unterricht immer schoen aufgepasst und so wurden wir als Belohnung im Patientenzimmer einquartiert :-)
Viele aeltere Menschen in Kambodscha sprechen noch franzoesisch. Neben den vielen Kolonialbauten ein weiteres Ueberbleibsel des franzoesischen Protektorats. Das Beherrschen einer Fremdsprache bedeutete waehrend der Roten Khmer Vorherrschaft aber praktisch das Todeurteil!

Gleich neben dem sehr einfachen Zimmer befand sich eine Wasserpumpe. Der zentrale Punkt in jedem kleinen Dorf. Hier herrschte bis spaet in die Nacht ein Kommen und Gehen. Ich glaube wir kamen jeden Dorfbewohner mindestens einmal zu Gesicht ;-)
Der Arzt und die diensthabende Krankenschwester waren auesserst zuvorkommend und wir waren schlichtweg ueberwaeltigt von soviel Gastfreundschaft!
Wir fuehrten ein angeregtes Gepraech und der Arzt erzaehlte uns unter anderem, das in den letzten Jahren immer mehr Kinder an Lungenerkrankungen leiden. Daran Schuld sei die immer trockenere Luft, hervorgerufen durch das weiterhin gnadenlose Abholzen, der noch verbliebenen Waelder. Wahrlich nicht nur ein Problem in Kambodscha! Offiziell ist der Kahlschlag an den meisten Orten verboten, aber wo Nachfrage herrscht, ist die Korruption leider nicht weit :-(
Kambodscha hat weit mehr zu bieten als die Tempel von Angkor Wat und schon lange nicht mehr wurden wir beim radeln so enthusiastisch von den Kindern begruesst.

Wir fuehlten uns hier als Radfahrer wohl und genossen immer wieder eine erfrischende Abkuehlung in Form eines Zuckerrohrsaftes, oder einer frisch geoeffneten Kokosnuss :-)

 

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