Yunnan, der Norden Im Juli/August 2007 von Kunming bis Yanjing


Anfangs Juli 2007 packten wir unsere Siebensachen und verliessen nach ueber 2 Wochen
die auesserst angenehme Provinzhauptsstadt Kunming.
Unser naechstes Ziel war Lijiang, das bekannt ist fuer seine herausgeputzte Altstadt.
Wir fuhren aber nicht die klassische Route via Dali in die Hauptstadt der Naxi Minderheit,
sondern waehlten den "direkteren" Weg via die groessere Stadt Panzhihua.
Es gab zwar deutlich mehr Hoehenmeter zu ueberwinden, aber der Effort wurde belohnt.
So kamen wir in den Genuss einer von Touristen noch weitgehend unberuehrten Gegend,
mit vielen interessierten und humorvollen Menschen.

"Schwein" gehabt!

Bei unserem ersten Zwischenhalt auf dem Weg nach Lijiang kam es in Luquan zu einem unangenehmen Zwischenfall.
Nach einem koestlichen Nachtessen kamen wir auf dem Weg zu unserem Hotel an einem Computerladen vorbei.
Dort erkundigten wir uns, ob sich in der Stadt ein Internetcafe befinde, worauf sie uns prompt anerboten,
einen der im Laden ausgestellten Laptops mit Internetverbindung kostenlos zu benutzen.
Moni hatte sich bereits in Kunming betreffend einer Massageausbildung im Internet erkundigt,
war aber in der Partnertsadt Zuerichs nicht mehr dazu gekommen sich deatilliere Infos dazu einzuholen.
Sie war schon ganz aufgeregt und wollte das so schnell wie moeglich im naechsten Internetcafe nachholen.
Spater im Hotel, wir hatten es uns bereits bei einer Tasse Kaffee und Guetzli bequem gemacht,
klopfte es an der Tuer. Eine Beamtin vom PSB hatten wir wirklich nicht erwartet.
Das PSB (Public Security Bureau) ist in China die oeffentliche Polizei.
Das PSB ist aber auch zustaendig fuer Visaverlaengerungen. Unser Visa war aber noch gueltig
und auch unsere Einladung zum Kaffee lehnte die resolut auftretende Beamtin
mit einer wirschen Handbewegung ab!
Kurze Zeit spaeter waren sie schon zu zweit und erkundigten sich nach unseren Paessen.
Eigentlich noch nichts wirklich Beunruhigendes, solange man diese Dokumente nicht aus der Hand gibt!
Waehrend die Beamtin etwas von "Arbeiten in China" schwaffelte, war der andere Beamte
bereits mit unseren Paessen verschwunden. Erst mit der Hilfe unseres Uebersetzungsbuechlein
konnten wir ihr klar machen, das wir keinesfalls in China Arbeit suchen und nur als Touristen
das Land bereisen wollen. Wir befuerchteten das Schlimmste und verlangten freundlich
aber bestimmt wieder unsere Paesse zurueck. Wir wollten diese aber nicht wie von ihr vorgeschlagen
erst am naechsten Tag auf der Polizeistation abholen! Sie war sich auf einmal der Sache nicht mehr
so sicher und nach ein paar Telefonaten, tauchte ihr Arbeitskollege doch tatsaechlich kurze Zeit spaeter
wieder mit unseren Paessen auf und gab uns diese kommentarlos zurueck.
Wie konnte das passieren? Das PSB muss auf unseren Besuch im Internet aufmerksam geworden sein
und konnte auf dem von uns benutztem Computer zurueckverfolgen, welche Internetseiten wir besucht hatten!
Mit dem hatten wir natuerlich nicht gerechnet,
denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir keinerlei Probleme jeglicher Art mit der lokalen Polizei!
Noch einmal Schwein gehabt im gemaess chinesischen Kalender "Jahr des Schweines" ;-))

Abseits vom Touristenstrom

Die weiterhin abwechslungsreiche Landschaft und die vielen erfrischenden Begenungen liessen uns
den Vorfall mit der Polizei schnell vergessen. Spaetestens in Bailu, unserem naechsten Etappen"ziel",
fuehlten wir uns bestens aufgehoben und sassen am Abend noch lange mit dem freundlichen Hotelbesitzer-Paaerchen
und weiteren Gaesten zusammen. Obwohl wir uns nur mit Haenden und Fuessen verstaendigen konnten,
unterhielten wir uns praechtig, ein Phaenomen das uns vor allem im Sueden Yunnans mehrmals wiederfahren ist.
Und es bestaetigt sich wieder einmal. Da wo sich wenige Touristen hin verirren,
da wo es keine Menukarten in Englisch gibt, ja da wird man wirklich noch als Gast behandelt!

In Panzhihua, einer groesseren Stadt waren wir bei der Hotelsuche sofort von
einer grossen Menschenmenge umringt, die neugierig, witzig, aber keineswegs aufdringlich waren.

Wir fanden nach laengerem suchen doch noch ein billiges Zimmer in einem groesseren Hotel.
Da sich die guenstigtsen Zimmer meistens in den oberen Stockwerken befinden,
waren wir gezwungen das ganze Gepaeck, inklusive Fahrraeder 4 Etagen hoch zu tragen.
Die massiven Stahltueren der Zimmer machten zwar einen recht einbruchsicheren Eintruck,
erinnerten uns aber unweigerlich an Gefaegnisszellen.
Wir fuehlten uns in der Stadt sehr wohl und ueberhaupt nicht eingesperrt.
Obwohl wir uns in einer riesigen Stadt befanden, waren die Leute offen und herzlich.
Trotzdem ging es am naechsten Tag weiter und bereits kurz nach unserem "Ausbruch",
wir waren erst ein paar Kilometer geradelt, oeffneten sich doch schon die Himmelstore
und es schuettete wirklich aus Kuebeln. So waren wir gezwungen immer wieder
eine Regenpause einzulegen. Wenn man aber dabei zum Essen eingeladen wird,
laesst sich selbst so ein sinnflutartiger Regen durchwegs aushalten.

Gleichberechtigung.....

Wie schon in vielen von uns bereisten Laendern, werden auch hier Frauen,
aber oft auch Kinder fuer haerteste koerperliche Arbeit eingespannt und das an sieben Wochentagen!
Das stimmt uns immer wieder betroffen und nachdenklich. Diese Arbeitsbedingungen werden sich sicher
nicht allzu schnell aendern, denn bei einem durschnittlichen Monatseinkommen von knapp 100sFr.
muss die ganze Familie anpacken!

Die Naxis

Lijiang ist der Hauptort der fast 300000 Menschen zaehlenden Naxi-Minderheit,
die wiederum mit den Tibetern verwandt sind. Unter den Naxis herrschte vor nicht
allzu langer Zeit noch das Matriarchat und die Frauen hatten das Sagen.
Sie haben aber auch heute noch "die Hosen an" und "schmeissen" groesstenteils den Laden!
Die Naxi Frauen unterscheiden sich aber auch betreffend der Kleidung stark von ihren Geschlechtsgenossinen.
Das traditionell T-foermige Rueckenteil soll nicht nur das scheuern des Korbes unterbinden,
es symbolisiert auch gleichzeitig den Himmel.

Die frisch renovierte Altstadt war dagegen eher eine Enttaeuschung.
Wenn man sich aber ein wenig vom Touristenzentrum entfernt, kann man selbst hier noch Gaesschen
ohne Touristenshops entdecken. Zudem hatten wir eine beinahe perfekte Sicht auf die Altstadt,
die allabendlich in kitschigem Licht erstrahlt. Da kamen schon fast weihnachtliche Gefuehle auf.

Wo sind die Tiger?

Die Tiger Leaping Schlucht wollten wir uns trotz Massentourismus, hoher Eintrittsgebuehr
und schlechtem Wetter nicht entgehen lassen. Dank dem Gasthausbesitzer konnten wir uns
den happigen Eintrittspreis ersparen und kamen in den Genuss einer abenteuerlichen Fahrt
durch eine der groessten Schluchten der Welt. Ab der zweiten Haelfte wurde die Strasse
allerdings immer schlechter. Waehrend sich weit unten der Yangtze tosend durch
die Schlucht schlaengelte, hofften wir weiter oben nicht von Steinen erschlagen
oder von einem Wasserfall in die Tiefe gerissen zu werden.

Wir liessen uns aber nicht durch die immer zahlreicheren Regenguesse entmutigen
und fanden immer wieder ein nettes Plaetzchen, wo wir nicht nur unsere Schuhe trocknen konnten,
sondern neben einer heissen Tasse Buttertee auch frisches Brot, einheimischen Kaese, Kartoffeln
auch getrocknete lokale Spezialitaeten serviert bekamen. Einfach Augen zu und reinbeissen ;-))

Die Strasse Ausgangs der Tigersprungschlucht bis Zhongdian ist seit Mitte 2006 zwar vollstaendig geteert,
aber die gut 4000 Hoehenmeter auf knapp 200 Kilometer garanierten ein staendiges Auf- und Ab.
Auf dem Weg zum letzten Pass vor Zhongdian, meinte es das Wetter noch einmal gut mit uns
und schnell waren die Strapazen der letzten Tage vergessen!

Zhongdian, das vermeintliche Paradies?

Zhongdian, besser bekannt unter dem Namen "Shangri La", ist wenn man von Sueden her anreist
der Beginn der "tibetischen Welt". Seit die Han Chinesen das "Paradies" endeckt haben,
boomt es in der auf ueber 3200 Meter ueber Meer gelegenen ehemaligen Kleinstadt.
In der Altstadt wird zurzeit kraeftig renoviert und ueberall wird gebaut.
Trotzdem hat es uns hier sehr gut gefallen. Wir fanden zudem ein nettes
und ruhiges Gasthaus am Eingang der Altstadt. Auf dem Dorfplatz finden
allabendlich traditionelle Taenze statt, an denen sich neben lokalen Dorfbewohnenern
auch immer wieder Touristen, wenn auch ein wenig ungelenkig, aktiv beteiligen.
Wer dann trotz deutlich duennerer Luft noch immer Schnauf hat, der kann sich noch
an der riesigen goldigen Gebetsmuehle, die ueber der Stadt trohnt, austoben.

Der erste Sonnenschein wurde genutzt um nicht nur das Zelt zu trocknen....
es animierte einen auch ein wenig die naehere Umgebung zu erkundigen.

Unser Zimmer war vollstaendig in Holz eingekleidet, der Boden knarrte
und so fuehlten wir uns fast ein bisschen wie im Skiurlaub.
Hier lernten wir neben anderen Fahrradfahrern auch Steve und Emiko kennen,
ein Australisch-japanisches Paeerchen das bereits seit 16 Jahren
mit dem Fahrrad die Welt bereist.
Da sind wir doch mit unseren gut 3 1/2 Jahren direkt Frischlinge dagegen ;-))

Es gefiel uns so gut in Zhongdian und zudem wollten wir nicht zu frueh los,
denn August heisst Regenzeit und das kann hier in den Bergen verherrende Auswirkungen haben.
Gewaltige Erdrutsche und Schlammlawinen verunmoeglichen dann tagelang jegliches Weiterkommen.
Wir hofften auf eine laengere Trockenphase, die sich aber partout nicht einstellen wollte,
so dass wir Mitte August beschlossen unser gemuetliches Stuebli, mit herrlicher Ausicht
auf den Hinterhof zu raeumen...

Unterwegs Richtung Tibet....

Am ersten Tag konnten wir auf sehr guter Strasse noch lange und schnelle Abfahrten geniessen
und das Tuepfchen auf dem i war unser Zeltplatz neben dem Kloster.
Was fuer ein Rasen. Neben unserem Zelt hatten wir sogar einen "privaten" Wasseranschluss
und richteten uns mit Hilfe unseres Wassersacks sogar eine "Dusche" im alten nicht mehr benutzten Kloster ein.
Es war definitiv gemuetlicher als auf jedem offiziellen Campingplatz ;-)

Auch am naechsten Tag ging es auf sehr feinem Asphalt weiter.
Am spateren Nachmittag suchten wir uns erst einmal ein geeignetes Fleckchen Erde,
auf dem wir unser Zelt aufstellen konnten. Wir blieben dort aber laenger als geplant,
den am naechsten Tag regnete es regelrecht "Hunde und Katzen".
So beschlossen wir einen Tag abzuwarten, bevor wir den ueber 20 Kilometer langen Anstieg
zum ueber 4200 meter ueber Meer gelegenen Pass in Angriff nehmen wollten.
Ausserdem erwartete uns bis zum Pass Kopfsteinpflaster, nicht gerade die ideale Unterlage bei Regen!

Der naechste Tag brachte nicht den erhofften Sonnenschein, aber es war zumindest trocken.
Auf dem Weg zum Pass passierten wir kleine Huetten, die waehrend des Sommers den Hirten
als Unterschlupf dienen. Hier konnten wir uns ein wenig aufwaermen und wieder gestaerkt
den restlichen Aufstieg unter die Raeder nehmen.

Der Pass hatte es wirklich in sich. In Wirklichkeit war es ein Dreierpack und
der letzte Pass war immerhin noch fast 40 Kilometer von Deqen,
einer Kleinstadt die wir an diesem Tag noch unbedingt erreichen wollten, entfernt.

Als wir nach gut 70 Kilometer und fast 1500 Hoenmetern endlich in Deqen einfuhren
war es schon bald dunkel.Wir fuehlten uns ziemlich erschoepft und vor allem knurrte uns maechtig der Magen.

Bei der Suche nach einer guenstigen Uebernachtungsmoeglichkeit wurden wir nicht
von allen so freudig begruesst. Da viele Lastwagenfahrer befuerchten,
es koennte sich jemand unbemerkt ihren Fahrzeugen und deren Ladung naehern,
haben sie Hunde an die Fahrzeuge angekettet. Und diese reagieren relativ empfindlich,
wenn man ihnen zu nahe kommt. Es blieb zum Glueck beim Schrecken.
Nach diesem einschneidenden Erlebniss schlugen wir Nachts jeweils
einen weiten Bogen um diese geparkten Fahrzeuge ein.
Nach einem Ruhetag und viel Essen fuehlten wir uns schon viel besser
und nachdem wir wieder unsere Vorraete aufgestockt hatten,
war es an der Zeit weiterzuziehen.

Leider meinte es das Wetter immer noch nicht all zu gut mit uns und so waren
die Schneeberge in dicke Wolken gehuellt, als wir den Aussichtspunkt
in Meilixueshan passierten. Oder lag es wohl eher an der Kopfbedeckung...????

Bis Yanjing, das bereits zur autonomen Provinz Tibets gehoert,
waren noch gut 100 Kilometer zurueckzulegen. Die Strasse war nicht mehr asphaltiert,
aber gut zu befahren. Zudem ging es mehrheitlich talwaerts, so dass wir nach 2 Tagen
an steilen Abgruenden vorbei, den ersten Checkpoint am Eingang zu Yanjing passierten.

Was uns dort wiederfuhr, gibt es allerdings erst im naechsten Bericht nachzulesen...

 

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