Die Fahrraeder eingestellt
Wir haben unsere
"ueberholten" Fahrraeder in Los Angeles eingestellt und werden erst
Anfangs 2010 wieder in die USA zurueckkehren um unsere Reise mit unseren
Stahlroessli Richtung Kanada fortzusetzen.
Mit dem Greyhound zurueck nach Mexiko
Mitte Oktober 2009 haben
wir in Los Angeles einen Bus Richtung mexikanischer Grenze bestiegen. Wir
wollen in den naechsten Wochen ganz Mexiko mit dem Bus und Zug bereisen. Wir
haben aber auch das Zelt und den Kocher dabei und sind somit sehr flexibel was
die Uebernachtungsmoeglichkeiten betrifft.
El chepe, der einzige „Ueberlebende“
Ein erster Hoehepunkt war sicher die
abwechslungsreiche Zugfahrt von Los Mochis nach Creel. Sie gilt als eine der
spektakulaersten Eisenbahnstrecken der Welt und fuehrt von Los Mochis bis nach Chihuahua.
Der Zug schlaengelt sich die Barranca del Cobre, auch Kupferschlucht
oder Copper Canyon genannt, hoch bis an Stellen, von denen man
atemberaubende Blicke in verschiedene Schluchten werfen kann. Der Zug, besser bekannt unter dem Namen „Chepe“, ist uebrigens neben
dem „Tequila-Express“ der letzte noch Passagiere befoerdende Zug in ganz
Mexiko. Waehrend der mehrere Stunden dauernden Reise durchfaehrt der Zug
verschiedene Landschafts- und Vegetationsformen: die Pazifikkueste mit ihrem subtropischen
Klima genauso wie kuehle Bergregionen und Kakteensteppen. Die Barranca del Cobre, ist eine im
mexikanischen Bundesstaat Chihuahua gelegene Gebirgsformation der Sierra
Madre Occidental, die durch ehemals starken Flusslauf entstand und
teils auf einem von Tarahumara-Indianern besiedelten Gebiet liegt.
Das auf etwa 25.000 km² bis zu 1800 Meter tiefe und 50 Kilometer lange
Schluchtensystem ist eines der groessten Nordamerikas. Der Name Kupferschlucht
leitet sich vom kupferfarbenen Schluchtengestein, piedra cobriza.

Wir erkunden Creel und die naehere Umgebung zu Fuss
Creel liegt auf knapp
2400 Meter ueber Meer und so kuehlt es am Abend schon merklich ab. Die reizende
Landschaft und das angenehme Klima tagsueber laden zum wandern ein. Wir
erkunden die naehere Umgebung zu Fuss, ueberqueren grosse Wiesen und kommen nur
vereinzelt an Haeusern vorbei. Der erquickende Fussmarsch endet beim kleinen Arareco
See. Es ist Herbst, die Hauptsaison ist vorbei und so verirren sich nur noch
wenige Touristen hierher.


Wir
verzehren unser mitgebrachtes Picknick und geniessen die Stille. Auf dem
Rueckweg, diesmal entlang einer wenig befahrenen Strasse Richtung Creel,
haelt Moni, als sich der erste Wagen naehert, spasseshalber den Daumen in die
Hoehe. Wir staunen, es klappt bereits beim zweiten Anlauf und schon 10 Minuten
spaeter sind wir wieder zurueck in Creel. Am Abend begeben wir uns mit einer
ganzen Gruppe in ein Cafe im Dorfzentrum. Die Besitzer haben hier nicht nur
einen gemuetlichen Treffpunkt geschaffen, sie unterhalten die Gaeste auch mit
Musik. So laesst es sich wunderbar den Abend ausklingen!
Wo ist das Phantom?
Als wir am
naechsten Tag David kennenlernen, werden wir schon ein wenig wehmuetig. Er ist
bereits von Las Vegas bis Los Mochis geradelt, wo er sein Fahrrad in den Zug
verfrachtet hat. Er will von Creel immer weiter Richtung Sueden radeln und
seine Reise soll erst an Weihnachten in Costa Rica enden. Wir haben uns viel zu
erzaehlen und da uns Arturo, der Pensionsmanager auch noch in der Kueche
einspannt, wo wir in die Geheimnisse der mexikanischen Kochkunst eingeweiht
werden,verstreicht der Tag wie im Fluge. Am Abend steht noch ein Open-Air
Puppentheater auf dem Programm. Die amuesante Auffuehrung „das Phantom“
unterhaelt nicht nur die Kleinsten koestlich. Zurueck im Hostel, wird noch
spaet bis in die Nacht gequatscht. Das Hostel erweist sich als wahrer
Treffpunkt fuer Individualreisende und neben Mexikanern, sind hier auch ein
paar internationale Gaeste abgestiegen. Wir geniessen es wieder einmal mit
anderen gleichgesinnten Reisenden zusammen zu sein!
Zum Regenbogenwasserfall
Heute soll
es weitergehen, Durango ist die naechst groessere Stadt die wir anpeilen. Aber
vorher wollen wir noch zum Wasserfall in Cusanare, der sich knapp 30 Kilometer
suedlich von Creel befindet. Uns haben sich viele Gaeste aus dem Hostel
angeschlossen und als an der Abzweigung zum Wasserfall auch noch David mit dem
Velo angebraust kommt, ist die Reisegrupppe komplett ;-) Unweit vom Wasserfall,
befindet sich das Dorf Cusanare.Neben einer huebschen Kirche und einem kleinen
Museum gibt es hier sogar eine guenstige und einfache
Übernachtungsmoeglichkeit. Wir deponieren unsere schweren Rucksaecke und machen
uns auf zum Wasserfall.


Die, die schnell rennen
Auf dem Weg dorthin
treffen wir viele Frauen, die aufallend bunte Kleidung tragen. Sie gehoeren der
Bevoelkerungsgruppe der
Tarahumara an, eine Ethnie, die im Norden Mexikos lebt. Mehr
als 50.000 Tarahumara-Indianer wohnen in den zahlreichen Schluchten, einschliesslich
der beruehmten Barranca del Cobre (Kupferschlucht) – der Sierra
Tarahumara. Durch ihre isolierte Lebensweise haben sie ihre Traditionen
erhalten können; viele bewohnen noch immer Höhlen und bauen Mais und Bohnen an.
Beruehmt
sind die Tarahumara als Langstreckenlaeufer. Laufen nimmt in ihrer Kultur einen
hohen Stellenwert ein, da sie traditionell Jaeger sind; sie bezeichnen sich
selbst als Rarámuri (die, die schnell rennen). Auch heute gibt es
Tarahumara, die – ob nun zur Jagd oder auf Wettrennen – bis zu 170 km durch
rauhe Schluchten laufen, ohne anzuhalten.


Katholische
Missionare hatten relativ erfolglos versucht, die Tarahumara zu bekehren. Sie
besuchen zwar hin und wieder die Kirche, beten aber weiterhin zu ihren alten
Goettern, allen voran Raiénari, dem Sonnengott und Beschuetzer des Mannes, und
Mechá, dem Mondgott und Beschuetzer der Frau.
Es ist alles so schoen bunt hier
Passend zur
Kleidung der Tarahumara ist unser gemuetliches rosa Zimmer, das wir mit David
teilen. Es heisst wieder einmal Abschied nehmen, waehrend unsere Mexikanischen und
Argentinischen Freunde nach Creel zurueckkehren, begeben wir uns Richtung
Hauptstrasse. Waehrend sich David aufs Rad schwingt und nach der naechsten
Kurve aus unserem Sichtfeld entschwindet, werden wir versuchen per Autostopp in
die naechste groessere Stadt zu gelangen.
Aber dazu
mehr im naechsten Mexiko Bericht!


Ein Grossteil der Informationen zum Chepe Passagierzug
und der Tarahumara Bevoelkerungsgruppe haben wir von der Quelle www.wikipedia.org bezogen.