Auf Schleichwegen durch Seenlandschaften

Der Yellowhead Highway ist eine beliebte Verbindungsstrasse zwischen dem touristischen Hafenstaedtchen Prince Rupert und dem geschaeftigen Prince George, der groessten Stadt im noerdlichen Britisch Kolumbien.  Ueber den Yellowhead Highway, von der Lokalbevoelkerung auch als „Highway of Tears“  ( Strasse der Traenen) bezeichnet, wird uns eine traurige Geschichte erzaehlt. Seit mehr als 40 Jahren wurden 43 Maedchen und junge Frauen im Alter von 14-26 Jahren, die per Autostopp unterwegs waren, verschleppt. Die meisten von ihnen wurden bis heute nicht gefunden und gelten immer noch als vermisst. Als wir den naechsten Ortseingang passieren, erblicken wir auch schon ein riesiges Plakat mit dem Foto eines 16 jaehrigen Maedchen, dass seit ueber 3 Monaten vermisst wird. Mir laeuft es kalt den Ruecken runter und unbewusst trete ich schneller in die Pedalen. In Gedanken bin ich bei all den jungen vermissten Frauen und wuensche mir das dieses Monster bald geschnappt und hart bestraft wird.

Canada BC Burns Lake to Vanderhoof-45bs

Als wir in 5000 Seelendorf Smithers eintreffen sind unsere Warmshower Gastgeber Amanda und Jon noch nicht zuhause. Wir haben die Beiden ein paar Tage zuvor angeschrieben und angefragt, ob wir ein paar Tage bei Ihnen verbringen koennen. Die Warm Showers Gemeinschaft ist ein kostenfreier, weltweiter Gastfreundschaft-Austausch für Tourenradfahrer. Menschen, die Tourenradler beherbergen wollen melden sich unter www.warmshowers.org an, stellen ihre Informationen zur Verfuegung und haben ab und zu jemanden zu Gast, mit dem sie spannende Geschichten und einen Trunk teilen. Wir vertreiben uns die Zeit in der Ortsbibliothek. In fast jedem Ort, ob Dorf oder Stadt, befindet sich eine Bibliothek, die oft eine Anlaufstelle fuer Reisende ist. Neben Buechern verfuegen sie auch meist ueber Internet, das jederman kostenlos benuetzen darf. Nicht selten treffen wir hier auf andere Reisende und koennen so gute Reisetipps austauschen. Dank diesem grosszuegigen Service, der fast flaechendecked bis in abgelegene Regionen Kanadas und auch den USA angeboten wird, ist es uns moeglich mit Familie, Freunden und Bekannten via E-Mail oder Skype in Kontakt zu bleiben.

Wir radeln nochmals zurueck zum Haus von Amanda und Jon. Sie sind jetzt zu Hause und heissen uns als Gaeste willkommen. Sie leben noch nicht lange in Smithers und kommen urspruenglich aus Toronto, aus dem Osten Kanadas.Canada BC Kitwanga to Smithers-57bsSie haben bewusst das geschaeftige Grosstadtleben gegen das beschauliche und ueberblickbare Leben in der Kleinstadt eingetauscht. Zusammen besuchen wir ein Rodeo und den Jahrmarkt. Wieder zuhause revanchieren wir uns mit einem typischen Schweizer Gericht, einem waehrschaften Kartoffelauflauf mit Salat, und selbstgebackenem Brot. Waehrend unseres Aufenthalts bringen wir die Fahrraeder und unsere gesamte Ausruestung, die durch den heftigen Regen der letzten Tage ziemlich nass und dreckig geworden sind,  wieder auf Vordermann. Die restliche Strecke des nun deutlich verkehrrseicheren Yellowhighway ist ziemlich schnell abgespuhlt.In Quesnel besuchen wir die Familie Brand. Wir haben Peter und Rene ein Jahr zuvor unterwegs kennengelernt und sie haben uns, falls wir einmal zufaellig in der Naehe sein sollten, zu sich nach Hause eingeladen. Wir verbringen ein paar erholsame Tage bei ihnen und ziehen bald darauf gestaerkt weiter. Auf Nebenstrassen die uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft in den „Interlake Distrikt“ fuehrt, gelangen wir zu traumhaft gelegenen Seen. Sie sind allesamt nur spaerlich bevoelkert und so kann man problemlos und ungestoert zelten, baden und sogar ein Feuer entfachen.

Wir erreichen Salmon Arm und besuchen unseren Bekannten Patrick, den wir ein Jahr zuvor in Keremeos kennengelernt haben. Pat wie er sich nennt, ist Quentins Vater und bei Quentin haben wir einen Sommer lang auf dessen Biobauernhof im Okanangen Tal ausgeholfen. Pat der schon seitCanada BC Salmon Arm kanu-trip-20bs laengerer Zeit pensioniert ist, verbringt gerne seine Zeit draussen in der schoenen Natur.Und trotz eingegipstem Unterarm laesst er es sich nicht nehmen uns zu einer tollen Kanutour mitzunehmen. Es ist ein herrliches Erlebniss und wir geniessen es lautlos durch das Wasser den Fluss hinab zu gleiten und die hier noch intakte Natur zu spueren. Nach einer kurzweiligen Woche bei Pat zieht es uns auch schon wieder weiter. Wir wollen die Kootenay‘s durchqueren, eine herrliche Gegend mit unzaehligen Seen. Mehrmals muessen wir eine Faehre benutzen um auf die andere Seeseite zu gelangen und immer wieder goennen wir uns einen Besuch in einer der herrlich gelegenen Thermalquellen.

Man erzaehlt uns, dass es ab Rosebery einen tollen Wander- und Fahrradweg namens „Galena trail“ nach Kaslo gibt. Dieser Weg fuehrt entlang einer ehemaligen Bahnlinie, die ehemals zum Abtransport der Mineralien in den nahegelegenen Mienen diente. Wir fuehlen uns zurueckversetzt in vergangene Zeiten, als wir dem liebevoll renovierten Weg folgen. Oftmals kann man die alten Bahnschwellen noch sehen und unter den Raedern spueren. Aber auch alte Bruecken gilt es zu ueberqueren und dann die Ueberraschung! Mangels Bruecke muss alles in eine kleine handbetriebene Seilbahn verladen werden. Viel zusaetzliche Arbeit, die aber Spass macht! Ein weiterer Hoehepunkt dieses Weges ist eine Geisterstadt und wir koennen uns nur zu gut vorstellen wie hier vor nicht allzu langer Zeit, Maenner in den Minen hart schuften mussten.

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