Campieren in der Wildniss

Anstatt, wie die meisten Touristen den Alaska Highway zu fahren, entscheiden wir uns fuer den Cassiar Highway. Diese Strasse ist zwar mehr abgelegen und hat darum nicht all zu viele Versorgungsmoeglichkeiten um Essensvorraete entlang der Strecke aufzustocken, aber gerade deswegen ist es die wildere und interessantere Route. Fuer uns heisst das aber vor allem mehr Gewicht ueber die vielen Huegel zu schleppen. Wir packen es an, und schon bald biegen wir nach Whitehorse, auf den einsamen Cassiar Highway ein.

Es empfaengt uns eine herrlich satt gruene Waldlandschaft, mit unzaehligen glasklaren Baechen, Fluessen und Seen. Wir geniessen die Einsamkeit und Ruhe in vollen Zuegen. Da hier beinahe kein Verkehr herrscht, sind wir oft stundenlang die Einzigen unterwegs auf dieser groesstenteils asphaltierten Strasse. Unzaehlige idyllische Zeltplaetzchen, oft direkt neben romantisch plaetschernden Baechen gelegen, laden ein, um sich nach einem anstrengenden Radeltag ein erfrischendes Bad zu goennen. Wir lieben es, denn in Alaska und im Yukon ist fast nichts eingezaeunt, oder befindet sich wie anderorts im Privatbesitz. Jedermann darf hier noch wild zelten wo immer er will. Niemand stoert sich daran, denn auch die Einheimischen lieben es draussen zu sein, um in der noch groessetenteils unberuehrten Natur zu fischen, Kayak oder Kanu zu fahren, wild kampieren oder einfach wandern zu gehen. Selbst im Winter sind sie gerne draussen zum Schneeschuh laufen, Langlauf und Ski fahren oder um dem weltberuemten Iditarod Hundeschlittenrennen, das ueber 1600 Kilometer von Anchorage nach Nome fuehrt, beizuwohnen. Wir erreichen nach einigen anstrengenden Tagen in der Abgeschiedenheit den Deas Lake und somit seit laengerem wieder die Zivilisation. Deas Lake ist ein kleines Doerfchen mit einem gediegenen Restaurant, einem kleinen Hotel, einem Kamping Platz, einer Schule, einer Post- und Tankstelle. Hier findet man auch einen gut bestueckten Einkaufsladen und gleich daneben befindet sich ein kleiner Waschsalon mit Bistro. In diesem huebschen und gemuetlichen Dorf wollen wir einen Ruhetag einlegen, denn wir muessen uns dringend mit Essensvorraeten eindecken und wieder einmal Waesche waschen. Gerne wuerden wir uns wieder einmal eine warme Dusche goennen und unsere straenig fettigen Haare waschen. Normalerweise springen wir jeden Abend schnell in einen See oder Fluss und waschen uns auf diese erfrischende Art. Das mit der warmen Dusche wird aber leider nichts, denn in der Waescherei verlangen sie fuer eine Dusche, 7 Dollar pro Person. Das ist uns schlichtweg zu teuer und so bleibt uns nichts anderes ueberig, als wieder in einen Fluss zu huepfen. Auch das zelten auf dem Dorfeigenen Kampingplatz koennen wir vergessen, denn der unfreundliche Besitzer duldet nur Wohnwagen und Wohnmobile auf seinem Platz. Radfahrer, oder Rucksacktouristen, die mit dem Zelt reisen, sind nicht erwuenscht. Nicht weit vom Dorf entfernt, finden wir in einer Waldlichtung ein schon laenger leer stehendes baufaelliges Haeuschen, dass direkt neben dem schnell vorbei fliessenden Fluss steht. Der ideale Ort fuer ein weiteres Bad im eisig kalten Fluss. Die verlassene Huette muss einst von Indianern bewohnt worden sein, denn der Schuppen daneben wurde zum Raeuchern von Lachs verwendet. Wir richten es uns hier gemuetlich ein und sammeln fleissig Holz um spaeter ein heimeliges Lagerfeuer zu entfachen. So muss es sich angefuehlt haben, als die ersten Pioniere hierher kamen und ihre Huetten direkt ans Wasser bauten und sich vom Fischen und Jagen ernaehrten. Wir fuehlen uns pudelwohl und in die Zeit von damals zurueckversetzt. Am naechsten morgen packen wir unsere schmutzige Waesche zusammen und machen uns auf den Weg ins Dorf. Die Waescherei ist immer ein interessantes Oertchen um neue Leute kennenzulernen und einen Schwatz zu halten. So komme ich mit Craig einem aelteren Mann ins Gespraech der mir von seiner Familie, und dem Leben im Yukon erzaehlt. Wir schreiben das Jahr 1920 und wie viele Tausend andere auch, verlassen Craig’s Eltern, angetrieben vom Abenteuer und dem Goldrausch die Vereinigten Staaten, um im Norden von Kanada und in Alaska ihr Glueck als Goldgraeber zu versuchen. Natuerlich fanden die meisten kein Gold und waren gezwungen oft umherzuziehen, immer wieder von null anzufangen und anderen Taetigkeiten nachzugehen. Craig hat 7 Kinder, die Heute in alle Himmelsrichtungen verstreut leben. Er war dreimal verheiratet und hat alle seine Ehefrauen ueberlebt. Craigs spannendes Leben gleicht einigen anderen Geschichten, wie wir sie nur in Alaska und im Yukon von Einheimischen, darunter einige sehr interessante Charakter und Originale, immer wieder erzaehlt bekommen haben. Wir treffen in der Waescherei auch auf Eveline und Hans, ein Schweizer Paar. Wir kommen sofort ins Gespraech und verstehen uns auf Anhieb. Sie sind fuer ein paar Monate mit dem Wohnmobil in Kanada unterwegs und legen hier in Deas lake einen 2 taegigen Stop ein. Die beiden laden uns spontan in das einzige, dafuer ueberraschend gediegene, Restaurant im Dorf ein. Das Essen ist vorzueglich und es wird ein unterhaltsamer und lustiger Abend. Spaet am Abend, es ist bereits dunkel, verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg zurueck zu unserem verlassenen Haeuschen. Wir schweigen, es ist ein eigenartiges Gefuehl in dieser Stille durch den dunklen Wald zu radeln. Es hat etwas Ueberwaeltigendes und Magisches, wie man es nur in der Natur weit ab von der Zivilisation erleben kann. Wir schauen hoch und ueber unseren Koepfen funkeln Millionen von Sternen auf uns herunter.

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