Der Baer ist los!

In den darauffolgenden Tagen treten und schuften wir wieder und wieder die Huegel hoch und runter. Seit zwei Tagen ist der Wind unser taeglicher Begleiter und versucht uns staendig, leider meist von vorne blasend, das Leben schwer zu machen. Ploetzlich und wie aus heiteren Himmel stopt Robi abrupt und nestelt nervoes an seiner Lenkertasche herum. Ich mit meinen Gedanken irgendwo, fahre ihm fast hinten auf. Das kann nur eines bedeuten, Robi hat etwas sehr Interessantes erblickt, dass er sofort knipsen will. Ich schaue suchend in die Richtung in der ich etwas vermute. Robi raunt mir leise etwas ins Ohr. Und ich wiederhole es ueberrascht und ziemlich laut wahrnehmend wieder: “ Baer, Baer“! „Schschschschsch!“ bringt mich Robi zum schweigen. Ich bin ziemlich aus dem Haeuschen, und erspaehe mit offenem Mund, wie eine stolze Schwarzbaerenmama mit zwei suessen Babybaeren, ganz seelenruhig am Strassenrand reife Beeren verzehrt. Aus sicherer Entfernung schauen wir ihnen eine Weile fasziniert zu und lassen sie dann in Ruhe weiterschlemmen. Fast jeden Tag sehen wir nun Baeren und das meistens mit Nachwuchs. Einmal erblicken wir sogar eine beeindruckend grosse Grizzlidame mit Jungtier, die am Fluss nach Lachsen fischt. Sie versuchen mit ihren riesigen Tatzen, einige der sich muehsam flussaufwaerts kaempfenden Lachse zu fangen. Die Baeren bemerken uns schon von weitem und kaum haben wir uns versehen, sind sie bereits im dichten Gebuesch verschwunden.

Klatschnass bis auf die Haut erreichen wir frueh Abends die Meziadin Junction. Bei einer Tankstelle, die schon laenger nicht mehr in Betrieb zu sein scheint, finden wir in einem verlassenen Haus, Unterschlupf. Wir stellen darin unser Zelt auf und ziehen uns sofort etwas Trockenes an. All unsere nassen Sachen haengen wir ueber Balken zum trocknen auf. Schon bald stellen wir fest, dass wir hier nicht die einzigen Gaeste sind. Ein junger Schwarzbaer, auf der Suche nach etwas Essbarem, streicht hier umher. Er scheint an Menschen gewoehnt zu sein und ist uns gegenueber ueberhaupt nicht aengstlich oder scheu und Robi muss ihn regelrecht vertreiben. Man hat uns schon mehrmals vor diesen Abfallbaeren gewarnt. Wie der Name es schon sagt ernaehren sich die Abfallbaeren von unachtsam herumliegenden Kuechenabfaellen der Lokalen Bevoelkerung oder dem weggeworfenem Essen der Touristen. Sie gewoehnen sich an die Naehe der Menschen und verlieren somit die natuerliche Angst vor uns. Auf der Suche nach Nahrung naehern sie sich ungeniert dichter besiedelten Gebieten und kommen so den Menschen ziemlich nahe, was zu boesen Zwischen-faellen fuehren kann. Meistens werden diese Baeren so aufdringlich das sie traurigerweise erschossen werden muessen. Bevor wir auf den viel befahrenen Yellowhead Highway einbiegen, kommen wir durch die Orte Iskut und Kitwanga, beides schoene Indianer Doerfer.  Wir werden von den Ureinwohnern freundlich  willkommen geheissen,  und einige male interessiert auf unsere Reise und die schwer beladenen Fahrraeder angesprochen.  Die beachtlich grossen und farbigen Totemphaehle Eingangs der Doerfer zeugen noch Heute von der Bedeutung und der Wichtigkeit dieser Ortes fuer die Eingeborenen.

 

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