Velocos Newsletter Dezember 2018

Vor gut einem Jahr hat sich der Kreis geschlossen, als wir im Spätherbst 2017 und nach 13 Jahren Reise durch 65 Länder mit unseren treuen Fahrrädern vom Jura her wieder in die Schweiz eingerollt sind. In dieser Zeit kurbelten wir 101 024 Kilometern ab und fuhren 22000 nautische Meilen (40000 Km) an Deck von verschiedenen Schiffen. Wir haben somit die gesamte Strecke Ueberland- und Uebersee zurückgelegt, ohne zu fliegen!

Es ist an der Zeit euch, ihr lieben Freunde und Interessierten auf den neuesten Stand zu bringen, darum gibt es eine kurze Zusammenfassung unserer Reise durch den amerikanischen und afrikanischen Kontinent.

Namibia KA Ai Ais to Hobas-033bw

Im Frühling 2009 nach 5 intensiven Jahren im Sattel, verlassen wir den Asiatischen Kontinent. Im riesigen Hafen von Busan in Südkorea werden unsere Fahrräder mittels Kran in den Bauch eines riesigen Containerschiffs verladen, das uns in 2 Wochen über den nördlichen Pazifik nach Mexiko bringt. Auf dem riesigen Frachtschiff lernen wir den Kapitän und die ganze Mannschaft kennen. Wir sind die einzigen Passagiere und werden wie auf Händen getragen und neben einem tollen Grillfest werden sogar ein Ping Pong Turnier und lustige Karaoke Abende organisiert.

MV Pacifico loading in Busan-6bw MV Pacifico BBQ-14bw

In Kanada geht uns das Geld aus, wir wollen aber noch nicht nach Hause und so klopfen wir im Südwesten Kanadas bei Bauern an die Tür und finden schnell Arbeit. Wir ernten tonnenweise Obst und Gemüse, streichen Fassaden, renovieren Gebäude, bündeln Holz, verrichten Gartenarbeit und vieles mehr. Damit können wir die Weiterfahrt mit dem Fahrrad durch den ganzen amerikanischen Kontinent finanzieren.

Canada-BC-Keremeos-717bw Canada-BC-Keremeos-636bw Canada-BC-Pender-island-925bw

Unterwegs erleben wir vor allem in Nordamerika und Mexiko eine unglaubliche und herzliche Gastfreundschaft und oft werden wir von Einheimischen direkt von der Strasse nach Hause eingeladen. Dabei entstanden wundervolle Freundschaften die bis heute Bestand haben. Diese moralische Unterstützung gibt uns auch immer wieder die Motivation um weiterzureisen.

USA WA Elma-25bw Mexico Nayarit agua verde-4bw

Wir geniessen das bunte, laute und lebendige Zentralamerika mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna eingeklemmt zwischen dem Pazifischen Ozean und der Karibik.

Guatemala SO Panajachel-008bw Nicaragua CD Somotillo to Chinandega-018bw

In Südamerika folgen wir nicht der Panamericana Strasse entlang der Pazifikküste sondern wählen die anstrengendere Anden Route durch die Berge. Wir erklimmen mit unseren 70kg schweren Velos fast täglich 1000-1500 Höhenmeter um dann in 40km langen halsbrecherischen Abfahrten ins nächste Tal zu sausen und werden dabei immer wieder von wilden und aggressiven Hunden laut angeschnauzt. Wir übernachten in kleinen Dörfern und wandern oft zu abgelegenen Ruinen, kaum besucht von Touristen.

Peru AM Leymebamba to Balsas-201bw Peru HU Tingo Chico to Chavinillo-005bw

Im Altiplano im Hochland von Bolivien radeln wir über die Salar de Coipasa und den Salar de Uyuni, die grösste Salzwüste der Welt. Es folgt die beschwerliche Lagunenroute, bekannt für seine farbenprächtigen Lagunen, Flamingos und das brodelnde Geysirfeld Sol de Manana das auf knapp 5000 Meter über Meer liegt. In 10  Tagen und nach viel Schieberei durch Sand und Geröll führt uns diese nach San Pedro de Atacames in Chile, an den Rand der Atacama Wüste. Ueber den Paso Sico vorbei an Salzseen, erloschenen Vulkanen und einer unvergleichlichen Mondlandschaft gelangen wir an Weihnachten 2013 nach Salta in Argentinien.

Bolivia PO Isla Inca Huasi-115bw Chile AR Curacautin to PN Conguillio-025bw

In den grandiosen Weiten Patagoniens auch Feuerland genannt trotzen wir dem stetig, stark blasenden Gegenwind. Wir treffen auf freundliche Gauchos, sehen gewaltige noch wachsende Gletscher und dürfen unser Zelt in unmittelbarer Nähe zu einer sehr kommunikativen Königs Pinguin Kolonie aufstellen.

Argentina SC Glaciar Perito Moreno-010bw Chile MA Onaisin to Cameron-001bw

3 Jahre brauchen wir für den ganzen Weg von Alaska bis Patagonien im Südzipfel Argentiniens und Chile und werden für unsere Strapazen mit atemberaubender Szenerie und unvergesslichen Begegnungen mit liebenswürdigen und gastfreundlichen Menschen, belohnt.

Wir verlassen den amerikanischen Kontinent

Nach einer kurzweiligen Fahrt durch Uruguay und den Süden Brasiliens werden im Hafen von Santos im Dezember 2014 die Velos zum 2ten mal in einem 360 Meter langen Containerschiff verstaut. Das riesige Schiff bringt uns in einer 10 tägigen Passage über den Atlantik nach Südafrika.

Brasil-PR-Superagui-to-Ararapira-053bw  Brasil SP Santos Embra Port-107bw

Wir gehen in Afrika an Land

Auf dem Afrikanischen Kontinent angekommen, radeln wir entlang zerklüfteten Küsten durch das südliche Afrika .South Africa WC Bettys Bay to Gordons Bay-032bw

Wir durchqueren heisse, staubige Wüsten,  karge Urlandschaften und besteigen riesige Sanddünen.

Namibia HA Sossusvlei to Dune 45-021bw

Bei einem spannenden Ausflug haben wir Glück und sehen neben Schlangen und Skorpionen, sogar Geckos und Chamäleons. Unterwegs treffen wir auf viele freundliche und hilfsbereite Einheimische und lassen uns gerne von ihrem Lachen anstecken.

Namibia ER Swakopmund desert dunes tour-022bw  Zambia-EA-Kacholola-to-Nyimba-009bw

Im Süden und Osten Afrika besuchen wir zahlreiche Naturparks und bekommen bei diversen Safaris viele Wildtiere zu Gesicht. Im Okavangodelta im Norden von Botswana und dem weltweit grössten Binnendelta nehmen wir in einem wackligen Einbaum Platz, erkunden aber auch zu Fuss mit einem kundigen einheimischen Führer die abwechslungsreiche Landschaft.

Uganda WE Queen Elizabeth NP Kazinga channel-065bw  Botswana CH Kasane Chobe NP-193bw

Zambia EA South Luangwa NP-099bw  Zambia-EA-South-Luangwa-NP-208bw

Beeindruckend sind auch die spontanen Begegnungen unterwegs mit dem Fahrrad wo wir Elefanten, Zebras, Giraffen, Büffel, Springböcke und Warzenschweine erspähen. Unser Puls schnellt definitiv in die Höhe als wir einmal im hohen Gras ein Löwenrudel erkennen, das nur unweit der Strasse in der Mittagshitze ein Nickerchen hält.

In Malawi und Tansania verladen wir unsere Räder mit Sack und Pack auf altertümliche Passagierfähren und schippern gemütlich über den Malawi- und den glasklaren Tanganjikasee.Tanzania RU Kipili Lake Tanganyika MV Liemba-027bw

Bei extrem heissen Temperaturen von bis zu 45° Celsius durchqueren wir das Grenzgebiet Kenia/Äthiopien. Dabei begegnen wir auf sandigen Pisten den vom Aussterben bedrohten Turkana Urstämmen und besuchen im Süden Aethiopiens einige der bunten Märkte wo sich die hier ansässigen Naturvölker regelmässig treffen und Handel treiben.

Kenya RV Kainuk to Lokichar-069bw Ethiopia SN Omorate-008bw

Im Sudan zelten wir direkt neben über 2000 Jahre alten Pyramiden und gelangen mit einem weiteren Schiff über den Nasser Stausee nach Aegypten. Im fruchtbaren Niltal und der kontrastreiche Halbinsel Sinai werden wir aus Sicherheitsgründen oft von der Polizei eskortiert, da sich die Regierung Sorgen um die Sicherheit der Touristen macht.

Sudan RV Meroe pyramids-064bw  Egypt-SI-Dahab-135bw

In Israel pedalen wir durch die trockene Negev Wüste und zelten unter einem mit Millionen von Sternen übersäten Himmelszelt. Wir radeln weiter bis an das Tote Meer, das 400 Meter unter dem Meeresspiegel und somit dem tiefsten Punkt der Erde liegt.

Israel SO Dead Sea Neot Hakikar to Ein Bokek-013bw  Israel JE Jerusalem old city-060bw

Nach einem interessanten Besuch in der heiligen Stadt Jerusalem, dessen Altstadt in muslimische, jüdische, christliche und armenische Viertel gegliedert ist und den vielen herzlichen Einladungen von Einheimischen radeln wir weiter ans Mittelmeer.

Ueber das Mittelmeer zurück nach Europa

Ein bisschen wehmütig nehmen wir Abschied vom Afrikanischen Kontinent und verladen im Hafen Ashdod die Fahrräder auf ein Frachtschiff, dass uns über das Mittelmeer in den Süden Italiens bringt. Es folgt eine abwechslungsreiche Fahrt über die Apenninen, bevor wir ein weiteres mal unsere Velos auf eine Autofähre verladen, die nach Griechenland übersetzt.

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Die letzte Etappe führt uns durch den hügeligen Balkan, von Mazedonien bis Slowenien. Wir lernen in Europa eine neue Gegend kennen und erleben eine unglaubliche Herzlichkeit der Lokalbevölkerung. Zum Endspurt pedalen wir durch den bevölkerungsreichen  und kulturell spannenden Norden Italiens und überqueren die schönen Französischen Alpen und den Jura.

Im Spätherbst 2017 kehren wir, nach 2 Jahren und 19 000 abgestrampelten und anstrengenden Kilometer durch den Afrikanischen Kontinent und den Balkan, in die Schweiz zurück, da wo am 16.Mai 2004 alles begonnen hat.

13 Jahre hatten wir das Glück und das Privileg viele interessante Länder mit  unterschiedlichsten Kulturen und Traditionen kennenzulernen. 13 Jahre Abenteuer und Freiheit in denen wir atemberaubende Landschaften, Flora und Fauna zu Gesicht bekamen. Aber vor allem haben wir unterwegs auf unserem langen Weg unzählige herzliche, liebenswerte, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen kennengelernt. Ohne diese Menschen, wären wir nie soweit gekommen und dafür sind wir sehr dankbar.

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